Mittwoch, 27. Mai 2015

[REZENSION] "Kühlfach 4" von Jutta Profijt

Fakten


Titel: Kühlfach 4 II Reihe: Kühlfach II Band: 1 II Autor: Jutta Profijt II Verlag: dtv II Jahr: 2009 II Seiten: 254 II Preis: 9,95 € II Mehr Infos

Klappentext


"Wer bist du?", fragte er flüsternd.
"Ich bin Pascha, der Kerl aus dem Kühlfach 4."
"Aber du bist tot, du kannst nicht mit mir sprechen", wandte er ein.
"Hast du noch nie was von Nahtod gehört? Die Seele verlässt den Körper und macht sich dann irgendwann auf den Weg durch den Tunnel. Aber hier ist kein Tunnel, ich weiß nicht, wo ich hin soll."

Erster Satz


Ich hoffe, dass Sie diesen Bericht von Anfang bis Ende lesen werden, denn es ist die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit, und so weiter, Sie kennen den Spruch bestimmt.

Cover


Das Cover ist sehr zurückhaltend aber trotzdem interessant gestaltet.
Erst aufgrund des Covers habe ich mir den Inhalt zu dem Buch durchgelesen und wusste, dass ich es lesen will.

Zu sehen ist ein Röntgenbild, von zwei ineinander ruhenden Händen, auf schwarzem Grund.
Der Name der Reihe sticht in Rot hervor, Autorin und Titel sind in zurückhaltendem Minzgrün (? - es ist zumindest nicht weiß) gehalten.

Definitiv ein Cover, das ins Auge sticht!

Inhalt


Dr. Martin Gänsewein trägt Dufflecoat, fährt Ente, sammelt Stadtpläne und geht als Rechtsmediziner dem täglichen Geschäft mit dem Tod äußerst gewissenhaft nach. Über das Seelenleben der Verstorbenen macht er sich keine Gedanken, bis ihm eines Tages die Seele des kleinkriminellen Autoschiebers Pascha, dessen Leiche vor ihm auf dem Obduktionstisch liegt, ein Gespräch aufdrängt. Pascha ist stinksauer. Sein angeblicher Unfalltod war nämlich in Wirklichkeit Mord, was ja allein schon eine Sauerei ist. Und jetzt muss er auch noch als Geist herumirren und seine eigene Obduktion mit ansehen! Da Martin der Einzige ist, mit dem er Kontakt aufnehmen kann, soll er ihm jetzt auch helfen, die Wahrheit ans Licht zu bringen. So nistet sich die nervtötende Seele bei dem sich vergeblich wehrenden Pathologen in Heim und Hirn ein, und das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Ehe Martin sich versieht, muss er sich im Rotlichtmilieu zurechtfinden und kollidiert unsanft mit der Kölner Autoschieberszene. Sein Leben gerät nicht nur völlig aus den Fugen, sondern auch noch in große Gefahr. Und jetzt ist es an Pascha, sich schnellstens etwas einfallen zu lassen, um seinen neuen Freund zu retten ...

Meinung


Erwartet hatte ich eine locker leichte Lektüre mit ein bisschen Witz, Spannung, Krimi und etwas unbeschreiblichen irgendwo dazwischen.
Bekommen habe ich genau das :-)

Das Buch beginnt mit einer "Einleitung", wie Pascha überhaupt zum Geist wird, wie Martin und er aufeinandertreffen und wie Martin sich langsam an den Gedanken gewöhnen muss, dass ein Geist an seinem Rockzipfel hängt.
Dieser Teil war notwendig und auch nicht unspannend, aber natürlich wollte ich so schnell wie möglich das Ermittlerduo Martin und Pascha vor mir haben ;-)

Wie man sich denken kann, gibt es einige Schwierigkeiten zwischen den beiden.
Pascha hält Martin für spießig und Martin findet Pascha irgendwie vulgär. Aber Pascha ist bereit an sich zu arbeiten und ändert im Laufe des Buches immer wieder etwas an seinem Wortschatz.

Es mochte ja ein Vorurteil sein, aber bisher hatte ich nicht den Eindruck gehabt, dass unsere Mitbürger mit westwärts gerichtetem Migrationshintergrund eine besondere Nähe zur deutschen Exekutive an den Tag gelegt hätten. Sie verstehen, was ich damit sagen will? Dass Russen die deutschen Bullen anpissen, wo sie nur können.
(Seite 181)

In einigen Rezensionen habe ich gelesen, dass Menschen sich an Paschas "Gossensprache" gestört haben.

Mal ganz ehrlich - ein junger Mann, der die Schule abgebrochen hat, der Autos klaut um sich über Wasser zu halten und täglich Drogen und Alkohol konsumiert, spricht eben einfach anders als ein Akademiker!

Ich persönlich finde es genau richtig so und hätte mich daran gestört, wenn es anders gewesen wäre. Außerdem passt Pascha sich im Laufe des Buches immer mehr an Martin an und arbeiten sowohl an sich, als auch an seinem Vokabular. Aber wer eben nur auf der Straße hing spricht eben auch die Sprache der Straße. Basta.

Einen weiteren Unterschied machen die Essensgewohnheiten zwischen den beiden aus.
Auch wenn Pascha keine Nahrung mehr zu sich nehmen kann, ist ihm Martins Art doch zuwider.

Nach Feierabend fuhr Martin nur kurz bei einem Imbiss vorbei, um sich Gemüseburger, Tofubratlinge und bunten Salat zu holen. So ein Abendessen ist etwas für Meerschweinchen oder Menschen mit künstlichem Darmausgang, aber er spachtelte den Kurfraß voller Appetit in sich hinein. Ich träumte derweil von einem dicken, fetten Burger, aus dem die Frikadelle, die Soße und die Zwiebeln an allen Seiten hinausquellen, sodass einem der Siff bis zu den Ellbogen in den Ärmel läuft. Geschmäcker sind eben verschieden.
(Seite 178)

"Veggie Paradise" muss der Name dieser Imbissbude sein, wo man alles bekam außer einem ordentlichen Imbiss. [...]
In dem Laden, in dem Martin war, gab es nur Veggies. Das hat mit  Paradies nix zu tun. Das sollte man Gemüsehölle nennen. Oder Sprossengosse.
(Seite 183)

Und da musste selbst ich als Vegetarier schmunzeln ;-)

Martin und Pascha erleben einige lustige, gefährliche, spannende, grübelnde und ärgerliche Momente miteinander, die in meinen Augen immer eines sind - unglaublich sympathisch!

Es handelt sich hierbei um eine schnelle Lektüre für zwischendurch, die durch ihre locker leichte Erzählweise gut voran getrieben wird.

Am Ende wartet kein wirklicher Cliffhanger, aber ein offenes Ende, dass nach dem zweiten Band verlangt, den ich mir definitiv auch noch besorgen werde.

Zitate / Textauszüge


Mein liebes Bisschen, da sitzen zwei Verliebte auf der Couch und statt ein bisschen zu fummeln, faseln die über Einsteins Relativitätstheorie. Relativ war hier nur eins, nämlich der Grad des Irsinns dieser Situation, und zwar relativ hoch.
(Seite 80)

Er bräuchte vermutlich nur mit dem Finger zu schnippen und sie würde sich auf ihn stürzen. Aber er schnippte nicht, er nippte. Am Tee. Dann ging's weiter.
(Seite 81)

Der fetteste Kerl seit Jabba dem Schwabelmonster aus Krieg der Sterne glotzt nämlich, wenn er Zeit hat, den ganzen Tag lang Liebesschmonzetten.
(Seite 167)

Fazit


Ich empfehle dieses Buch jedem, der kleine, lustige Lektüren für zwischendurch sucht und sich nicht daran stört, wenn die Sprache nicht ganz so gestelzt ist.
Wer sich darauf einlässt, den erwartet eine wirklich witzige Geschichte um einen Assi-Geist und einen spießigen Gerichtsmediziner.

Bewertung





Kommentare:

  1. Huhu Franziska,
    dieses Buch steht schon eine gefühlte Ewigkeit auf meiner WuLi aber solange mein SuB mir so dermaßen über den Kopf wächst, gibt es keine Chance, dass ich das Buch von seinem Wunschzettel-Dasein befreien kann. Aber nach deiner Rezi muss ich echt mit mir kämpfen, weil ich nun so dermaßen Lust auf das Buch hab... es ist zum Heulen ^^

    Viele liebe Grüße
    Nelly von Nellys Leseecke

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    1. Hallo Nelly :)

      Danke für deine lieben Worte bezüglich der Rezi.
      Ich selbst hatte das Buch längere Zeit auf meinem SuB liegen und hab eigentlich nur nach gegriffen, weil ich mal wieder ein etwas dünneres Buch lesen wollte - nun frage ich mich, warum ich es überhaupt so lange liegen gelassen habe...aber das fragt man sich nach dem Lesen ja öfter mal :D

      Liebste Grüße
      Franzy

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