Samstag, 27. Juni 2015

[REZENSION] "Closer" von Donn Cortez

Fakten


Titel: Closer II Reihe: Closer II Band: 1 II Autor: Donn Cortez II Verlag: Knaur II Jahr: 2008 II Seiten: 397 II Preis: 8,95 € II Mehr Infos

Klappentext


Sie dachten, sie wären allmächtig. Doch dann kam er: 
eiskalt, gnadenlos, tödlich für all seine Opfer.
Und bei diesen handelt es sich um...Serienmörder!

Seit der Künstler Jack seine Familie durch die Hand eines grausamen Killers verlor, hat er sich einer neuen Kunst verschrieben: Er findet Verbrecher, nach denen die Polizei vergeblich sucht. Er sorgt dafür, dass sie ihre Untaten gestehen - und lässt sie dafür büßen. Für die einen ist er ein dunkler Held; für das Gesetz eine Gefahrenquelle, die ausgeschlachtet werden muss. Denn wie lange kann ein Mann Monster jagen, bevor er selbst zu einem wird?

Erster Satz


Das Geschäft lief nicht besonders, und Susanna grinste unwillkürlich, als der neue Ford Taurus bei ihr anhielt.

Cover


Wer meine Rezensionen liest, weiß, dass ich oftmals ein absoluter Coverkäufer bin - und so war es auch hier. Entdeckt auf einem Wühltisch mit preisreduzierten Mängelexemplaren, zog mich das Cover sofort an.

Eigentlich gibt es nur zwei Farben, die aber völlig ausreichen - silber und rot.
Auch der Name des Autors und der Buchtitel sind sehr zurückhaltend gestaltet.

Doch warum verfehlt das Cover seine Wirkung nicht?

Die Grundlage des Covers wirkt wie gebürsteter, zerkratzter Edelstahl. Wie bei den Arbeitsflächen in Großküchen, Krankenhäusern oder - und das trifft es am besten - wie bei Metzgern und in Schlachthäusern.
Auf dieser Edelstahlfläche liegen blutbschmierte Instrumente, die man auch eher von Ärzten kennt. Das allein reicht vollkommen aus um eine gewisse Anziehungskraft auszuüben.

Je nachdem wie man das Buch ins Licht hält, schimmert es ein wenig bläulich.

Für mich persönlich ein mehr als gelungenes Cover!

Meinung


Direkt zu Beginn befindet man sich in einem Gespräch zwischen einer Prostituierten vom Straßenstrich und ihrem potenziellen Freier.
Sie verbringen ein paar gemeinsame Stunden miteinander und gehen beide wieder ihrer Wege. Das Einzige was etwas merkwürdig rüberkommt ist die Tatsache, dass er ihr Glas begutachtet und von "mehreren brauchbaren Fingerabdrücken" die Rede ist.

Danach lernt man eine weitere Prostituierte, Nikki, kennen. Auch sie steigt bei einem Freier ins Auto und fährt mit ihm davon. Allerdings wird dieser Wagen von einem weißen Lieferwagen verfolgt.
Auch Nikki und ihr Freier verbringen eine gewisse Zeit miteinander. Als Nikki danach ins Bad geht, schlägt die Tür hinter ihr zu und es gibt kein Entkommen für sie. Das Bad besitzt keine Fenster und auch die Tür wurde von außen verriegelt. An der Tür hängt von innen ein Poster, unter dem sich Bilder von getöteten Frauen befinden und Nikki soll das nächste Opfer dieses Serienkillers werden.
Was der Killer nicht weiß - Nikki ist nicht zufällig bei ihm, sondern er wurde ganz gezielt ausgewählt. Und Nikki hat einen Partner, der den Freier mit einem Elektroschocker zu Fall bringt.

"Das ist der Closer, du armseliger Bastard. Und jetzt tust du mir schon fast ein bisschen leid."
Sie trat ihm hart gegen den Kopf.
"Fast", zischte sie.
(Seite 22)

Nachdem Jacks Familie von einem Serienkiller auf bestialische Weise ermordet wurde, befindet er sich auf der Suche nach ihm.
Nikki, angetrieben von unzähligen Morden an ihren Kolleginnen vom Straßenstrich, spielt den Lockvogel für ihn.
Gemeinsam suchen sie nach Serienkillern, locken sie in eine Falle und Jack verhört sie unter Folter. Diese Verhöre zeichnet er auf einem Tonband auf, tötet seine Opfer (kann man bei solchen Menschen wirklich von Opfern sprechen?) und übergibt sie und die Tonbänder anonym an die Polizei.

"Der Closer" hat wieder zugeschlagen. Er wird so genannt, weil er in Viglantenmanier im Alleingang ungeklärte Mordfälle abschließt.
(Seite 29) 

Als ich das Buch gekauft hatte, klebte am Cover ein Aufkleber mit den Worten "Nichts für schwache Nerven".
Die Foltermethoden werden sehr genau beschrieben und es fließt stellenweise recht viel Blut, aber es kam nie der Punkt an dem ich dachte 'Oh mein Gott ist das widerlich...da kann ich nicht weiterlesen' (vielleicht sollte mir das zu denken geben? ^^).

Das Buch ist ein wahrer Pageturner und ich fand es unglaublich spannend.
Die Frage nach dem "Warum?" trieb mich immer weiter forwärts.
  • Warum tut ein Mensch sowas?
  • Warum kann er nicht damit aufhören?
  • Warum wurde ausgerechnet seine Familie getötet?
  • Warum werden Menschen zu Serienkillern?
Und dann beschäftigte mich auch noch eine andere Frage.
  • Kann ein Mensch solch einen "Job" machen, ohne dabei selbst den Verstand zu verlieren und irgendwann nicht mehr zwischen Gut und Böse unterscheiden? 
Diese Frage wird indirekt auch im Buch gestellt.

"Er ist völlig leer, Mädchen. Das ganze Foltern, all das Schreckliche, das er tut, ist nichts weiter als sein verdammter Job. Es kratzt ihn überhaupt nicht. Es ist, als führe er ein Konzentrationslager - hier eine weitere Wagenladung Häftlinge, ab in die Gaskammer, ist schon Zeit für die Kaffeepause? Der Mensch gewöhnt sich an alles - selbst Folter wird nach einer Weile zur Routine. Verdammt, ich schwöre, ich hab ihn sogar einmal gähnen sehen!"
"Nein", flüsterte sie.
"Aber selbst Nazis haben ein Privatleben, nicht wahr? Hobbys, eine Familie. Nur der Closer nicht...dies ist alles, was er hat. Was er tut. Was er ist. [...]"
(Seite 147, f.)

Während des Lesens stellt man sich unweigerlich all diese Fragen. Manche werden beantwortet, manche nicht. Manche Fragen muss man eben einfach für sich selbst klären.
Ob man den Closer nun als Held oder ebenfalls als Serienkiller sieht, bleibt jedem selbst überlassen, doch sollte man sich fragen, ob und wenn ja mit wem man Mitleid empfinden möchte.
Mit Serienkillern die einfach aus Spaß töten und daraufhin selbst zum Opfer werden oder mit einem Mann, der den Hinterbliebenen der Opfern Antworten auf ihre Fragen liefert. 
Über all dem schwebt allerdings die Frage wie weit ein Mensch im eigentlich guten Glauben töten kann, ohne selbst auf die "falsche Bahn" zu geraten.

Den zweiten Teil werde ich mir definitiv auch noch zulegen und hoffe darin noch ein paar Antworten auf ausstehende Fragen zu finden.

Zitate / Textstellen


"[...] Sie wollte jemanden kennenlernen, der nicht bloß ficken will. Ich hab ihr gesagt, die Kerle wollen alle bloß ficken - der Unterschied ist nur, dass manche bereit sind, dafür zu bezahlen. Das ist unser Glück."
(Seite 26)

"Ich war genau wie Sam - konnte die Nacht davor nicht schlafen und war am Weihnachtstag um halb sechs wach. Ich war so aufgedreht, ich habe regelrecht gezittert"
"Und dann?"
"Dann habe ich die Selbstbefriediegung entdeckt. Hat mich sehr viel ruhiger gemacht."
"Na ja...Sam mit seinen Sechs - da hat er ja noch einige unruhige Jahre vor sich."
(Seite 85) 

"Verkauf die Fimrechte, und Cameron Diaz soll mich spielen."
(Seite 313)

Fazit


Ich persönlich fand dieses Buch wirklich gut und unglaublich spannend. Es hat mich oftmals wirklich nachdenklich gemacht und mich zu Fragen gebracht, die ich mir so sonst nicht gestellt hätte.
Zart besaiteten Gemütern würde ich es nicht empfehlen, allen anderen wünsche ich mit diesem Buch viel Spaß ;-)

Bewertung



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