Montag, 8. Juni 2015

[REZENSION] "Frau Bengtsson geht zum Teufel" von Caroline L. Jensen

Fakten

Titel: Freu Bengtsson geht zum Teufel II Autor: Caroline L. Jensen II Verlag: Droemer II Jahr: 2013 II Seiten: 240 II Preis: 14,99 € II Mehr Infos

Klappentext

Was macht eine Vorstadthausfrau, wenn sie durch einen dummen Zufall in der Badewanne ertrinkt - und sich kurz darauf quicklebendig in selbiger wiederfindet? Ganz klar: Sie eginnt, an Gott zu glauben. Doch als weitere göttliche Zeichen ausbleiben, beschließt Frau Bengtsson beleidigt, Gott herauszufordern. Wie man das am besten anstellt, erklärt ihr der Teufel höchstpersönlich - tapfer begeht Frau Bengtsson eine Sünde nach der anderen und findet Gefallen daran...

Erster Satz

"Herrgott!"
Der Allmächtige seufzte zufrieden und betrachtete die DNA-Kette, die er gerade geflochten hatte.


Cover


Irgendwie verstehe ich das Cover nicht so recht, muss ich gestehen.
Der hellblaue Hintergrund mit den weißen Wölkchen symbolisiert Gott und den Himmel - klar soweit.
Der Kanarienvogel mit den Teufelshörnern leuchtet mir auch ein - immerhin war das das erste Lebewesen in das der Teufel fuhr, als er auf die Erde gekommen war um nach Frau Bengtsson Ausschau zu halten.
Die rot-gelben Farben der Schilder könnte ich auch noch zuordnen - die selben Farben wie der Vogel mit den Hörnern, oder Farben für das Feuer, welches in der Hölle brennt.
Aber warum der Titel auf Hinweisschildern steht, verstehe ich nicht so ganz. Außer das letzte Schild, auf dem "Teufel" abgedruckt ist. Das zeigt natürlich nach unten, da sich die Hölle unter der Erde, also unten befindet.

Insgesamt ist das Cover locker-leicht und zieht (vermutlich) eher das schwache Geschlecht an ;-) Ich kann mir auch nicht wirklich vorstellen, dass dieses Buch etwas für Männer ist.

Was mir sehr positiv aufgefallen ist, ist zum einen die Innengestaltung des Covers und die abgerundeten Ecken - ist mal was anderes.

Meinung


Durch den Klappentext war ich auf eine ein klein wenig andere Handlung eingestellt, als ich dann tatsächlich bekam.
Erwartet hatte ich eine junge Hausfrau, die nach ihrer zweiten Chance so richtig aufdreht und "die Sau rauslässt". Irgendwo zwischen Desperate Houswives und Sex and the City.
Stattdessen bekam ich eine Hausfrau mittleren Alters vorgesetzt, die jeder kennt, der auf einem Dorf wohnt oder dort Bekannte hat. Sofort hatte ich ein Bild im Kopf.
  • Plätzchenfrisur (gerne kurz und da dann wahlweise ein paar Locken mittels Dauerwelle reingekloppt) 
  • undefinierbare stumpfe und glanzlose Haarfabe (ist es jetzt ein helles Braun oder doch noch ein sehr dunkles Blond?) in der sich die ersten grauen Haare zeigen (Färben ist ja schädlich)
  • wahlweise mit Brille (rahmenloses Modell mit etwas Farbe an den Bügeln - man ist ja irgendwie doch ein Rebell)
  • kein Make-Up (unnötig und schädlich für die Haut) und wuchernde Augenbrauen
  • Kleidung, die man eher der Großmutter zugetraut hätte
  • unrasierte Beine
  • textsicher bei jedem Schlager, den es auf dem Markt gibt
Das ist die Art von Frauen, die wirklich existiert und bei denen ich schockiert feststelle, dass sie oftmals nur ein paar Jahre älter sind als ich.
Bei einer Feier trägt Frau Bengtsson ein knallrotes Kleid und wenn sie ihren pinken Lippenstift aufträgt, weiß Herr Bengtsson was die Glocke geschlagen hat (Knick Knack ^^). Schlager kommen tatsächlich viele im Buch vor, die Frau Bengtsson dann auch wirklich auswendig kennt.

Statt einer Gabrielle Solis oder einer Samantha Jones bekam ich also nun Frau Bengtsson.
Eine kinderlose Haus- und Ehefrau, die ihren Lebenssinn in einem ordentlichen Heim sieht (außer die eine Ecke unter dem Sidebord), in dem die Badezimmerseife und die Handtücher zu den Vorhängen passen.

Herr Bengtsson scheint seine Frau zwar wirklich zu lieben und auch liebevoll zu sein, allerdings ist er ziemlich desinteressiert und antwortet meist nur mit "Mhm".

Die einzige Abwechslung in der schwedischen Vorstadtroutine liefert der tunesische Postbote Beggo, der offenkundig in Frau Bengtsson verliebt ist und ihr die Post jeden Tag mit einer anderen Schlagerpassage auf den Lippen überreicht.

Als Frau Bengtsson dann in der Badewanne ertrinkt und von Gott persönlich eine zweite Chance erhält (was ihr Mann auch nur wieder mit einigen Mhms abtut), beginnt sie sich zu fragen, inwieweit sie eigentlich gläubig ist.
Dass sie gläubig ist, beschließt sie recht schnell, doch sie weiß nicht recht zu welcher Reliogion sie sich zuordnen will.
Nach einer Weile kommt sie zu dem Schluss, dass sie Christin ist (oder sein will) und macht sich auf den Weg zur Kirche um Gott nah zu sein und möglicherweise Antworten auf ihre Fragen zu bekommen.
Sie liest die Bibel und stößt auf immer mehr Ungereimtheiten und Dinge, die ihr ganz einfach nicht passen. Als die verlangten Zeichen von Gott ausbleiben (wer kann schon ahnen, dass Gott ein Kaninchen ist?) macht sie sich auf den Weg zu ihrer Nachbarin Rakel (eine langweilige Theologiestudentin) um diese Dinge mit ihr zu besprechen.
Was Frau Bengtsson nicht weiß ist, dass mittlerweile der Teufel in das arme Ding gefahren ist und Frau Bengtsson nach Herzenslust immer mehr auf den Weg bringt, die Zehn Gebote brechen zu wollen.

Die "Glaubenskrisen" zusammen mit Rakelsatan sind wirklich lustig und lässt beide für mich sehr sympathisch werden. Alles andere ist irgendwie recht zäh und lahm.
Das Brechen der Gebote erschien mir oftmals aufgesetzt und sehr gezwungen. Dass Frau Bengtsson das sechste Gebot (Du sollst nicht ehebrechen) tatsächlich bricht, fand ich persönlich sehr, sehr schade. Auch wenn Herr Bengtsson jetzt nicht unbedingt ein Traummann ist, hätte ich nicht damit gerechnet, dass sie es wirklich tut.

Auch das Ende hätte ich mir anders gewünscht - das war dann doch irgendwie enttäuschend.

Etwas nervig war die Tatsache, dass Herr und Frau Bengtsson keine Vornamen zu haben scheinen und dass der eigentlich am Anfang recht lustige Wortwitz "Rakelmirakel" immer mehr an Witz verlor, je öfter er gebraucht wurde (und das war sehr oft).

Zitate / Textstellen

Ihr Hass auf Gott begann in kleinen, zaghaften Schritten.
Am Sonntag.
Wie unschicklich.
(Seite 37)

Frau Bengtsson starrte verdutzt auf die Schweinerei am Küchenfenster.
Herr Bengsson ging in die Garage, um Gummihandschuhe und einen Eimer zu holen.
Herr Rubin kauerte immer noch auf dem Balkon, in der Hoffnung, das teuflische Vieh einzufangen, das ihm den Nachmittag verdorben hatte.
Rakel kochte Mittagessen.
Satan flog über die Straße, um in sie zu fahren.
Und Gott buk Zimtkringel.
(Seite 66, f.)

Luther hatte einmal gesagt, die Vernunft sei die Hure des Teufels. Konnte es etwa sein, dass nun endlich auch ein Menschenwurm mit ihr ins Bett gegangen war? Zum ersten Mal hörte er eines von Gottes Geschöpfen offen aussprechen, was er immer gedacht hatte: "Ich weiß ja, dass es Gott gibt, ich mag ihn bloß nicht."
(Seite 97)

Das Ganze wiederholte sich mehrmals. Mose quengelte, der Pharao weigerte sich, und Mose quengelte wieder...Sie blätterte zerstreut weiter. Sie hatte Der Prinz von Ägypten gesehen. Disney hatte es eigentlich besser erzählt.
(Seite 121)

Fazit


Insgesamt war dies ein recht witziges Buch, dass so seine Höhen und Tiefen hatte.
Empfehlen würde ich es allerdings nur bedingt, da es sicher nichts für wirklich gläubige Menschen ist und diese bestimmt Worte wie "Blasphemie" nutzen würden, um dieses Buch zu beschreiben ;-) 
 

Bewertung


Kommentare:

  1. Hi :D
    Na das Buch klingt doch echt witzig, bei deiner Beschreibung der Hausfrau mittleren Alters musste ich echt lachen. Ja, so jemanden kennt man wohl überall. ;)

    Danke für die schöne Rezi!

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Ich kenne mehr als eine Dame, auf die diese Beschreibung passt :D
      Erschreckend finde ich es immer wieder, dass diese Damen nur geringfügig älter sind als ich - stellenweise sogar jünger o.O

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