Samstag, 25. Juli 2015

[REZENSION] "Allein kann ja jeder" von Jutta Profijt

Fakten


Titel: Allein kann ja jeder II Reihe: Hausbesetzer II Band: 1 II Autor: Jutta Profijt II Verlag: dtv II Jahr: 2015 II Seiten: 336 II Preis: 14,90 € II Mehr Infos

Ich danke Jutta Profijt, dem dtv Verlag und Lovelybooks für das Buch, die Leserunde und die netten Unterhaltungen mit der Autorin!

Klappentext


Was haben Ellen (46), Rosa (71), Kim (13), Hans (56), Konrad (72) und Mardi (14) miteinander zu tun? Sie wohnen zusammen. Allerdings nicht ganz freiwillig. Aus der Not heraus besetzen sie eine heruntergekommene alte Villa.

Eine chaotische Zwangs-WG, eine besetzte Villa, betrüberische Bauprojekte, Mutter-Tochter-Diskussionen, verhasste Mathelehrer, rüstige Rentner und ein hinterhältiger Mord: ein turbulenter Mehrgenerationenroman.

Die schrägste Truppe, seit es Hausbesetzer gibt! 

Info: Mein Exemplar stammt aus einer Leserunde und mein Klappentext ist nicht auf dem neusten Stand! Bei dem Mathelehrer handelt es sich im Buch um einen Physiklehrer und Konrad ist nicht 72, sondern 76.
Wir sind alles nur Menschen - wer nicht arbeitet macht auch keine Fehler ;-) 

Erster Satz


"Mutter, was willst du hier?", fragte Ellen verwundert und schaute auf das halb offen stehende Gartentor, hinter dem sich ein fast zugewucherter Weg durch einen verwilderten, parkähnlichen Garten auf eine Villa zuschlängelte.


Cover


Auf dem Cover ist ein wunderschöner Himmel bei Sonnenuntergang abgebildet. Drei Menschen befinden sich auf einer Dachterrasse und scheinen jeder mit sich selbst beschäftigt zu sein.
Im Klappstuhl lümmelt sich Rosa und raucht ihren täglichen Joint, ihre Tochter Ellen sitzt etwas verkniffen mit geradem Rücken am Tisch und die Enkelin Kim steht mit Kopfhörern bestückt irgendwie dabei, aber doch nicht zu nah.

In meinen Augen ist das Cover wirklich passend gewählt und sagt sehr viel über diese drei Frauen aus. Auch wenn sie nicht so aussehen wie im Buch beschrieben, erkenne ich jede Einzelne sofort.
Von Jutta Profijt selbst habe ich während der Leserunde erfahren, dass der Autor meist keinerlei Mitspracherecht am Cover hat und oftmals externe Gestalter damit beauftragt werden, die überhaupt nicht wissen worum es in der Geschichte geht.

Ich habe mir vorgenommen, Cover nun nicht mehr so hart zu verurteilen, jetzt wo ich das weiß!

Meinung


Nachdem ich den ersten Teil von "Kühlfach 4" gelesen hatte, war mir absolut klar, dass ich von dieser Autorin mehr lesen möchte! 
So war es nicht verwunderlich, dass ich mich bei einer Leserunde um dieses Buch bewarb und meine Freude war groß, als ich tatsächlich ein Exemplar gewonnen hatte.
Klausurbedingt (und der Tatsache geschuldet, dass noch einige Rezensionsexemplare auf meinem SuB lagen) kam es dann dazu, dass ich dieses Buch in vielen Etappen las. Zwischenzeitlich schlichen sich auch leider ein paar Längen in das Buch, das letzte Drittel habe ich dann allerdings in einem Zug verschlungen und hätte es auf keinen Fall wieder zur Seite gelegt!

Ellen ist alleinerziehend und verdient ihre Brötchen mit dem Schreiben von "Heftchen-Romanen". Ihre Tochter Kim ist 13 Jahre alt und befindet sich voll in der Pubertät. Eigentlich hat sie auf gar nichts Lust, will nicht zur Schule sondern lieber Schauspielerin werden und hört am liebsten den ganzen Tag Musik.
Beide Damen hatten bei mir sofort einen Stein im Brett. Ellen, die starke und unabhängige Frau, die ihr Leben meistert und ganz nebenbei auch noch einen pubertären Teenager im Zaum hält. 
Selbst als sie dank ihrem Exmann obdachlos wird, bewahrt sie die Ruhe und verliert ihre Fassung nicht (jedenfalls nicht so, wie ich es in ihrer Situation täte :-D).

Ihre Mutter, Rosa, die durch einen Betrug ebenfalls auf der Straße landet, hatte es bei mir deutlich schwerer. Sie ist Egoismus und Gleichgültigkeit in ihrer reinsten Form. Probleme anderer interessieren sie nicht die Bohne und von Empathie scheint die gute Frau in ihren 71 Lebensjahren auch noch nichts gehört zu haben.
Erst fast am Ende des Buches verhält sie sich so, wie ich es mir gewünscht habe und sie wurde mir dadurch dann doch etwas sympathischer - wenn auch nur bedingt ;-)
Ihre ständigen Weingelage und das Rauchen unzähliger Joints haben mich genervt. Natürlich ist es nicht verwerflich wenn ein Mensch sich in seinen letzten Jahren etwas gönnt, aber so wie sie beschrieben wird, war sie nie die treusorgende Mutter und Oma wie sie eigentlich hätte sein sollen/können.
Sie ist schrill, laut, rücksichtslos und manchmal wirklich dreist und frech - sie ist einfach absolut kein Mensch für mich.
Allerdings verdanken wir ihr die Hausbesetzung, ohne die es diese Geschichte gar nicht gegeben hätte.

Hans Seefeld ist Kims Physiklehrer und meine neue Buchliebe :-D 
In der Leserunde habe ich ihn oft als Supermann-Seefeld bezeichnet und er macht seinem Namen alle Ehre. 
Er rettet Kim bei einem Böller-Anschlag durch einen Mitschüler, zeigt ihr und ihren Klassenkammeraden durch eine ziemlich coole Aktion, dass sie nicht zu viel im Internet über sich preisgeben sollten und "verhaftet" nebenbei auch noch jemanden mit seinen Bundeswehr-Kenntnissen.
Auf niemanden passt "Harte Schale, weicher Kern" so sehr, wie auf Ninja-Attacken-Seefeld. Und weiß man erstmal warum er oftmals so verbittert und kalt wirkt, macht es ihn noch eine Spur sympathischer.

Konrad Schmitt ist die "Mutti" der WG. Er ist ein süßer, kleiner Opa, der die ungleiche Wohngemeinschaft zusammenhält und dafür sorgt, dass es niemandem an etwas fehlt.
Doch er scheint ein Geheimnis zu haben, über das wir im zweiten Band hoffentlich mehr erfahren werden.

Abgerundet wird dieser Turbulente Haushalt noch von Mardi, einem schwarzafrikaner französischer Herkunft (man weiß nicht genau woher er kommt und auch nicht wie er wirklich heißt), der sich im Keller versteckt und von Kim mit allem Nötigen versorgt wird.
Auch bei ihm erhoffe ich mir in Band zwei ein paar mehr Infos.

Außerdem gibt es noch Robert (Rosas Lebensgefährten), Leo (ein Freund von Rosa und Robert), Andrea (Roberts Tochter und Ellens Freundin) und Jenny (Kims beste Freundin). Im Zuge des Mordfalles kommt noch "Öko-Bulle" Mittmann hinzu, der uns auch im zweiten Teil sicher noch begleiten wird.

Der Schreibstil, der mir bei "Kühlfach 4" so gut gefiel, war auch hier wieder deutlich zu erkennen. Locker leicht mit viel Witz und Humor aber auch wirklich spannenden Abschnitten.
Hat man sich in die Geschichte eingefunden liest es sich sehr flüssig und man bemerkt gar nicht, dass man schon wieder 20 Seiten gelesen hat.

Auch wenn sich hier und da ein paar Längen eingeschlichen haben und ich auf das ein oder andere durchaus hätte verzichten können, hat mir dieses Buch alles geliefert, was ich erwartet hatte.

Jutta Profijt selbst hat versichert, dass sich im kommenden Teil alle offenen Fragen beantworten - und das ist auch wirklich nötig ;-)

Zitate / Textstellen


"Du willst dieses Haus besetzen?"
"Es wäre nicht das erste Mal", sagte Rosa zufrieden.
"Mutter! Die wilden Siebziger sind vorbei."
"Meine fangen gerade erst an."
(Seite 6)

Eindeutiges Machogehabe, eindeutiger Besitzanspruch. Eindeutig zum Kotzen.
(Seite 54)

Fazit


Ein Buch, dass vieles in sich vereint. Krimi, Humor, Liebe, Verzweiflung, Stärke und Fassungslosigkeit.
Ich persönlich fand es wirklich gelungen und würde es jedem empfehlen, der Lust auf eine locker leichte Unterhaltung, gepaart mit einem Schuss Krimi und Rätselraten hat.
Den zweiten Teil werde ich mir definitiv besorgen, wenn er rauskommt!

Bewertung


 

1 Kommentar:

  1. Interessant, wie sich jeder in einem anderen Menschen getäuscht hat. Anfangs hatte ich das Gefühl, dass es in dem Roman drunter und drüber geht, aber mit der Zeit hat alles einen Sinn gegeben.

    AntwortenLöschen