Montag, 27. Juli 2015

[REZENSION] "Du bist das Gegenteil von allem" von Carmen Rodrigues

Fakten

 

Titel: Du bist das Gegenteil von allem II Autor: Carmen Rodrigues II Verlag: cbt II Jahr: 2015 II Seiten: 378 II Preis: 16,99 € II Mehr Infos

Ich danke dem cbt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Klappentext


Ich bin unsichtbar. Mich gibt es gar nicht.

Es gibt so viele Dinge, von denen ich das Gefühl habe, dass ich sie dir nicht sagen kann.

Ich glaube dir nicht, wenn du meine Hand hälst und mir sagst, dass du mich nie mehr loslassen möchtest.

Ich wollte dir nie wehtun. Wolltest du mir wehtun? 

Sagen dir meine Hände auf deiner Haut nicht, was ich fühle?

Erster Satz

 

An dem Samstag schreckte ich mitten in der Nacht aus dem Schlaf, weil draußen Krankenwagensirenen heulten, unten jemand an der Tür klingelte und Mattie weinte.


Cover


Das Cover ist genauso spektakulär wie es auch zurückhaltend ist.

Den Hintergrund bildet ein zusammengeknülltes und wieder auseinandergefaltetetes Blatt Papier. Autorenname und Titel wirken, als wenn sie bereits vor dem Zusammenknüllen darauf geschrieben wurden.

Obwohl es fast schon unscheinbar ist verfehlt es seine Wirkung nicht und passt, wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge, wenn man dieses Buch gelesen hat.

Inhalt


Die 16-jährige Ellie hatte etwas Besonderes an sich. Etwas Dunkles, Charismatisches, Gebrochenes Jetzt ist sie tot. Gestorben an einer Überdosis Tabletten. Zurück bleiben ihr Bruder Jake, ihre beste Freundin Sarah und deren jüngere Schwester Jess und vierunddreißig Zettel von Ellie in einem Schuhkarton. Vierunddreißig Hinweise, die Ellie hinterlassen hat. Vierunddreißig Geheimnisse eines viel zu kurzen Lebens voller Schmerz. Auf der Suche nach dem Warum müssen sich Jake, Sarah und Jess nicht nur ihren eigenen Abgründen stellen, sondern auch dem, was Ellie so lange vor ihnen verborgen hat.

Meinung


Ich weiß eigentlich gar nicht so genau wo ich anfangen soll. Auf jeden Fall war dieses Buch komplett anders, als ich es erwartet hätte - besser. Viel besser.

Eingestellt hatte ich mich auf eine traurige Geschichte über den zu frühen Tod eines jungen Mädchens und ihre zurückgebliebenen Freunde, die es irgendwie schaffen wieder in ihr Leben zurück zu finden und weiterleben. Bekommen habe ich eine Geschichte, die so viel Trauer, Wut, Hass und Zerstörung enthält, dass ich mehrfach schlucken und auch einige, viele, Tränen vergießen musste.

Carmen Rodrigues macht schonungslos, ja fast schon schockierend ehrlich, auf ein Thema aufmerksam, dass leider noch viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Psychisch kaputte Teenager und junge Erwachsene, teils wohlbehütet, teils aus zerrütteten Familienverhältnissen, die mit allem was sie belastet völlig allein dastehen.

Ellie, die viel zu früh unsägliches Leid erfahren musste und Halt in Alkohol, Drogen und Tabletten sucht. 

Jessie, die versucht Ellie den Halt zu geben, den sie benötigt, mit ihren 14 Jahren aber viel zu überfordert mit der ganzen Situation ist und nicht versteht, warum Ellie ist, wie sie ist und sich nicht gänzlich ändern kann - auch wenn sie es wirklich und wahrhaftig versucht.

Sarah, Ellies beste Freundin und Jessies ältere Schwester, die mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen hat und nicht zu ihrer Freundin durchdringt.

Jake, Ellies älterer Bruder, der es einfach nicht mehr erträgt die Stütze für seine Schwester und deren Mutter zu sein und ausbricht um endlich sein eigenes Leben nur für sich zu leben. Voller Selbstvorwürfe bezüglich Ellies Tod, hat er nach ihrem letzten Anruf doch gewusst, dass sie ihn brauchte und den Sex mit einer Frau vorgezogen, anstatt zu ihr zu eilen, wie er es einst versprochen hat.

Tommy, ehemals Jakes bester Freund und Exfreund von Sarah, der sein Leben vollgestopft mit Drogen und Alkohol vor sich hintröpfeln lässt.

Nicht alle Fragen werden beantwortet, manche muss man als Leser mit sich selbst ausmachen. War Ellies Tod ein Unfall oder Selbstmord? Manches spricht dafür, anderes dagegen. War es geplant oder eine Kurzschlussreaktion? Auch diese Frage bleibt offen.

Dieses Buch rüttelt auf und bleibt auch nach dem Lesen noch im Gedächtnis verankert. Es ruft uns alle auf viel öfter hinzusehen und lieber einmal zu viel nachzufragen, als einmal zu wenig. 

Beobachtet die Menschen in eurer Umgebung und sprecht mit ihnen. Nicht jeder Mensch kommt ohne Hilfe mit dem Leben klar und muss, wenn nötig, an die Hand genommen werden.

Überwindet euren falschen Stolz und die falsche Scham und lasst euch helfen, wenn ihr alleine nicht mehr weiterkommt.

Zitate / Textstellen


Die Welt hat sich gewandelt und ich habe die Orientierung verloren.
(Seite 110) 

Fazit


Ein unglaublich gutes Buch, dass ich jedem Menschen nur ans Herz legen kann.

Bewertung

 

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