Samstag, 4. Juli 2015

[REZENSION] "Gezeichnet" von P.C. und Kristin Cast





Reihe: House of Night
Band: 1 von 12
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 437
Jahr: 2009
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: 9,90€
Meine Bewertung: 2/5 - Reihe abgebrochen
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Als auf der Stirn der 16-jährigen Zoey eine saphirblaue Mondsichel aufscheint, ist ihr sofort klar, dass sie Gezeichnet worden ist und im House of Night zum Vampyr ausgebildet werden soll. Doch sie ist keine normale Jungvampyrin: Die Göttin Nyx hat sie mit besonderen Kräften versehen. Und Zoey ist nicht die Einzige im Internat mit solchen Fähigkeiten. Als sie herausfindet, dass die Anführerin der Töchter der Dunkelheit, einer Elitegruppe der Schule, ihre Gaben missbraucht, muss sie ihren ganzen Mut aufbringen, um sich ihrer Bestimmung zu stellen...

Gerade als ich dachte, noch schlimmer kann dieser Tag nicht werden, sah ich den toten Typen neben meinem Schließfach stehen.


Nachdem der Hype um diese Reihe noch immer nicht vollständig abgeebt war, dachte ich, dass ich es vielleicht auch mal lesen müsste. Vampire sind sowieso ein Thema, was ich gerne mag und auch, dass es sich um ein Jugendbuch handelt, stört mich nicht - es gibt wirklich tolle Jugendbücher, die mich als Erwachsene auch sehr stark begeistern.

Leider ist das bei "Gezeichnet" nicht der Fall!

Direkt zu Beginn stößt der Leser auf die Danksagung der Autorinnen. Bei ihnen handelt es sich um eine Mutter und ihre Tochter. Phyllis Christine Cast bedankt sich bei ihrer Tochter dafür, dass Kristin dafür gesorgt habe, dass sie sich halbwegs nach Teenagern anhören würden.
Meine Teenagerzeit liegt schon eine ganze Weile zurück (so ist das eben wenn man auf die dritte Null zugeht ^^), aber ich will einfach nicht glauben, dass Teenager tatsächlich so sprechen. Oftmals klingt es für mich einfach nur dämlich und ich bin mir nicht sicher, ob das alles nur an der Übersetzung liegt.

Meine Meinung bezüglich des Schreibstiles schwankte regelmäßig zwischen "Ist das ihr Ernst?", "Oh mein Gott" und "Echt jetzt?". Natürlich ist der Schreibstil eines Romans (und in diesem Fall eines Jugendromans) etwas anderes als die Werke, die Goethe oder Kafka verfasst haben - das steht völlig außer Frage. Doch zu schreiben, wie es vielleicht ein 11- oder 12-jähriger täte, lockt mich einfach nicht hinter dem Ofen vor. Es gibt viele Jugendromane, die den Spagat zwischen "Ich kann nicht zu erwachsen klingen" und "Ich will nicht klingen wie ein Depp" deutlich besser meistern.

Wer meine Rezensionen liest (und wie ich auch in dieser Rezension wieder unter Beweis stelle) nutze ich gerne Klammern und auch Bindestriche. Doch das Autorenpärchen Cast übertreibt, meiner Ansicht nach, maßlos was das betrifft. Und ich komme nicht umhin mich zu fragen, warum das so ist. Ist es hip und cool (sagt man cool überhaupt noch?) oder sind sie einfach nicht dazu in der Lage "normal" zu schreiben?

Merkte sie, dass ich gerade Blut getrunken (und gemocht) hatte? Roch mein Atem vielleicht danach (und nach Kotze!)? Und sah ich womöglich anders aus? Hatte ich plötzlich Reißzähne gekriegt? (Na gut, die letzte Überlegung war bescheuert. Erwachsene Vampyre haben auch keine Reißzähne. Aber trotzdem.)
(Seite 247, f.)

Nicht jedes Buch sollte (be)lehren und es ist super, wenn die heutige Jugend übehaupt noch liest, aber dann frage ich mich, ob in einem Jugendbuch Worte vorkommen müssen, die man in Romanen für Erwachsene nicht vorfindet. Ich persönlich halte das eher nicht für pädagogisch wertvoll.

"Ja, Höllenhexen, verfickte!", brummte Shaunee.
(Seite 133)

"Ätzende Schlampen der Hölle", sagten Shaunee und Erin wie aus einem Mund.
(Seite 135)

Sie war zierlich wie ein Püppchen, und ihre Körperhaltung erinnerte mich an die Mädchen, die wie bescheuert zum Ballett rennen, bis sie auch außerhalb des Unterrichts dastehen, als hätten sie einen Stock im Arsch.
(Seite 193)

"Ich auch, du kleiner Fickfetzen."
(Seite 417) 

An dem Zitat von Seite 193 wird deutlich, dass Zoey eigentlich neimanden mag, der nicht so ist wie sie. Sie hingegen möchte bitte komplett so akzeptiert werden wie sie ist - cool, talentiert, bildhübsch, auserwählt, witzig und nett - sprich: perfekt.

Für jemanden, der absolute Toleranz verlangt, liebe Zoey, bist du in meinen Augen doch etwas zu überheblich.

Relativ schnell wird klar, dass Zoey etwas Besonderes und "auserwählt" ist. Und das ist wirklich nervig!
Klar, sie ist der Hauptcharakter, aber muss immer und immer wieder erwähnt werden wie toll, klug, hübsch und unglaublich nett sie ist? 
Und wenn wir bereits Klischees bedienen, ist es NATÜRLICH SELBSTVERSTÄNDLICH, dass der heißeste Junge der Schule ein Auge auf sie geworfen hat - wie könnte es auch anders sein? Und um das ganze Ding auch noch perfekt zu machen ist Zoeys Erzfeindin Aphrodite logischerweise die Exfreundin des besagten Jungen und nicht über ihn hinweg.

Von jetzt auf gleich hat Zoey unglaublich gute und loyale Freunde an ihrer Seite.
  • Stevie Rae - die mir persönlich wirklich am sympathischsten von allen ist
  • die "Zwillinge" Erin und Shaunee - zwei unglaublich nervige Zeitgenossen
  • Damien - der etwas zu notgeile Schwule
Auch hier wird nicht mit Klischees gespart. 
Stevie Rae kommt, wie der Name schon vermuten lässt, aus den Südstaaten und hat eine scheinbar angeborene Affinität zu allem was mit Countrymusik zu tun hat. 
Die "Zwillinge" könnten optisch nicht unterschiedlicher sein. Erin ist blond und hellhäutig, Shaunee hat dunkles Haar und dunkle Haut.
Und damit wir auch (fast) alles abdecken holen wir uns noch den homosexuellen Damien mit ins Boot - es soll ja niemand behaupten können, dass wir nicht jeden mögen.

Ganz nebenbei wird auch noch das Thema Kindesmissbrauch angesprochen, aber in siebzehn Zeilen schon abgehandelt. Es stört mich nicht, dass es thematisiert wird, aber wenn man so ein Thema auf den Plan ruft, muss man wesentlich sensibler damit umgehen und es nicht mit einem leichten Schulterzucken abtun.

"Meine Mutter starb, als ich zehn war", sagte Neferet. "Mein Vater hat nicht wieder geheiratet. Stattdessen hat er ersatzweise mich genommen. Fünf Jahre lang hat er mich missbraucht, bis Nyx mich mit fünfzehn durch ihr Zeichen rettete."[...]
"Das ist schrecklich." Mehr fiel mir dazu nicht ein.
"Das war es, ja. Damals. Heute ist es nur noch eine Erinnerung. [...]"
(Seite 305) 

Möglicherweise bin ich wirklich nicht mehr die Zielgruppe für dieses Buch / diese Reihe, aber ich habe wirklich sehr gute Jugendbücher gelesen, mit denen dieses hier wahrlich nicht mithalten kann.

Unter dem Klappentext steht:

"Wer die Vampir-Geschichten von Stephanie Meyer und die Abenteuer von Harry Potter verschlungen hat, wird diese Geschichte lieben!" Maxi

Also ich habe diesen ganzen Biss-Twighlight-Hype erfolgreich an mir vorbeiziehen lassen und kann dazu nichts sagen - aber von Harry Potter habe ich nichts gefunden. Die einzigen Parallelen zeigen sich darin, dass sie ebenfalls "anders" sind, in einem Internat wohnen und es mit der Freundschaft untereinander ziemlich flott geht - sonst war da für mich nichts Magisches oder was auch immer damit gemeint war.

Die große Schrift ermöglicht das Gefühl schnell voran zu kommen, aber die nervig und kindlich geschriebenen Sätze stören mich persönlich sehr - vom Inhalt mal ganz abgesehen.

Dann begann der Vampyr zu sprechen. Es hörte sich an wie eine rituelle Formel. Die Worte glitten durch den Raum auf mich zu, gefährlich und verführerisch, wie Blut, gemischt mit geschmolzener Schokolade.
(Seite 14)

Aber dann hatte Heath angefangen zu trinken und ich mich in einen Vampyr zu verwandeln. Manchmal ist das Leben schon seltsam.
(Seite 49) 

Das Buch konnte mich nicht überzeugen. Eine klischeehafte, langweilige Handlung, in die zwischendurch das ein oder andere Schimpfwort und wüste Beleidigung eingeworfen werden.
Ein Hauptcharakter der nervt und überzeichneter nicht sein könnte rundet zusammen mit klischeebeladenen Freunden die ganze Nummer ab.
Nichts in diesem Buch konnte mich fesseln oder dafür sorgen, dass ich diese Reihe weiter verfolgen werde. Mit dem Schließen des Buchdeckels schließe ich, für mich, auch die Tore vom House of Night.

Kommentare:

  1. Huhu!

    Ich erinnere mich noch, ich hab die Reihe seinerzeit auf Englisch angefangen zu lesen, deswegen kann ich jetzt zu den Satzzeichen, Klammern und den vielen Schimpfwörtern nicht viel sagen ... Scheint aber im Englischen nicht soooo schlimm gewesen zu wie im Deutschen, denn sonst könnte ich mich daran erinnern.

    Ich hatte die ersten drei Bücher dabei, als wir vor ein paar Jahren in eines der Hotels im Tannheimertal auf Urlaub gefahren sind, das weiß ich dagegen noch genau ^^. Ich hab die Reihe dann allerdings auch abgebrochen, weil sich die Handlung immer weiter auseinandergezogen und in jedem Buch im Verhältnis immer weniger passierte. War wohl ein klassischer Fall von "Wir müssen jetzt 12 Bücher draus machen, haben aber zu wenig zu sagen". Daher hast du auch absolut nichts versäumt, wenn du nicht weiterliest!

    Liebe Grüße
    Mia

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    1. Hallo!

      Ja das mit dem wenigen Inhalt ist mir auch direkt aufgefallen. 437 Seiten aber erzählt wird eigentlich nichts.
      Natürlich ist der Anfang bei Reihen oft etwas öde. Die ganze Story muss aufgebaut werden, die Charaktere werden vorgestellt,...aber hier passiert halt einfach so gut wie gar nichts. Noch dazu wird alles ständig wiederholt und von Neuem erwähnt und erklärt.

      Wie du schon sagst...12 Bücher wollen gefüllt werden ;-)

      Liebe Grüße

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  2. Hallo Franzy,

    du sprichst genau das aus, was mir bei diesem Buch auch aufgefallen ist, danke dafür!
    Ganz oft enden Sätzen mit ", aber trotzdem." und das hat mich nach dem dritten Mal echt so richtig genervt.
    Auch das Zoey immer wieder in den höchsten Tönen gelobt wird und natürlich gefühlt jeder sie mag und/oder auf sie abfährt. Irgendwann hat man es ja auch verstanden.
    Nichtsdestotrotz hat mir die Geschichte an sich wirklich richtig gut gefallen, weshalb ich danach auch direkt den Folgeband verschlungen habe. Ich werde die Reihe auch zu Ende lesen, weil ich zum einen niemals mitten in einer Buchreihe aufhöre und zum anderen, weil mir wie gesagt die Story gut gefällt. Es weicht sehr von den anderen Vampir-Geschichten ab, weil diese in der vorhandenen Gesellschaft halbwegs akzeptiert werden, was ich allerdings am Anfang des Buches echt merkwürdig fand.
    Übrigens hab ich auch noch nicht ganz verstanden, warum sich in diesen Bücher Vampir mit Y schreibt, aber na gut :D

    Liebe Grüße und danke für deine ausführliche Meinung,
    Vanessa
    vanessasbuecherregal.blogspot.de

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    1. Hallo Vanessa!

      Die Story an sich war auch nicht wirklich mein Fall - aber super wenn du eine Reihe für dich gefunden hast und viel Spaß an den Folgebänden hast :-)

      Wenn du Geschichten magst, in denen die Vampire von der "normalen" Welt akzeptiert werden, dann kann ich dir die Reihen "Chicagoland Vampires" und "Sookie Stackhouse" (die Serie True Blood lehnt sich etwas an die Bücher an) empfehlen. Das sind beides keine Jugendbücher und in Sachen Erotik geht es stellenweise hoch her, aber ich finde sie einfach wunderbar!

      Ich sende liebe Grüße und danke für deinen Kommentar :-)

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