Samstag, 7. November 2015

[REZENSION] "Flüstern mit Megafon" von Rachel Elliott

Fakten


Titel: Flüstern mit Megafon II Autor: Rachel Elliott II Verlag: Kein & Aber II Jahr: 2015 II Seiten: 399 II Preis: 20,00 € II Mehr Infos  
 

Ich danke dem Kein und Aber Verlag für dieses Rezensionsexemplar
und Lovelybooks für die Leserunde!

 

Klappentext

Ralph und Miriam haben vorerst wenig gemeinsam. Sie scheut jeden sozialen Kontakt, er führt eine vermeintlich perfekte Ehe mit Sadie, die ihre Gefühle für Frauen wiederentdeckt. Eines Tages brechen Ralph und Miriam aus ihrem Leben aus und treffen völlig unverhofft aufeinander. Es ist der Beginn einer unerwarteten Freundschaft - und ein Neuanfang, der für beide voller Überraschungen steckt.

Erster Satz


Miriam Delaney sitzt an ihrem Küchentisch und starrt auf das Radio.


Cover

 

Ein Spiegel liegt auf einer Wiese und fängt die Reflexion einer jungen Frau ein, die mit ihrem Blümchenkleid da sitzt und in die Ferne starrt. DerTitel prangt in großen blauen Lettern ebenfalls im Spiegel.

Ich bin bekennender Coverkäufer, hätte dieses Buch allerdings niemals wegen des Covers in die Hand genommen. Ich persönlich finde es zeimlich langweilig und wenig interessant.
 

Meinung

 
Ich gestehe, vor diesem Teil der Rezension "fürchte" ich mich ein wenig :-D 
Hätte ich dieses Buch nicht in einer Leserunde gelesen, hätte ich es vermutlich niemals beendet - und dass obwohl ich jedes Buch bis zum Ende durchstehe.

Miriam ist mitte 30 und hatte es nicht leicht im Leben. Ihre alleinerziehende Mutter war psychisch krank und zur Großmutter hatte sie lediglich Kontakt über merkwürdige Briefe und Karten, obwohl diese wusste, wie schlecht es Miriam bei ihr ging und wie krank ihre Tochter (Miriams Mutter) war.

Da ist mein erster Kritikpunkt. Wenn ich weiß, dass meine Tochter nicht in der Lage ist sich anständig um das Kind zu kümmern, warum hole ich es dann nicht raus und informiere Ämter und sonstige Hilfestellen? Leider wird das im Buch nicht erklärt. Die Großmutter wird einfach ab einem gewissen Punkt nicht mehr erwähnt.

Da ihre Mutter ihr immer wieder sagt, dass sie ihre Stimme nicht erträgt und sie still sein soll, fängt Miriam irgendwann an zu flüstern. Egal wo sie ist und mit wem sie spricht - sie flüstert. Und irgendwie fällt es auch niemandem wirklich schwer sie zu verstehen. Leider verstehe ich nicht, wie das möglich ist.

Die Mutter brachte sich irgendwann um (warum erfährt man erst am Ende des Buches) und Miriam isolierte sich selbst drei Jahre lang, indem sie das Haus nicht mehr verließ. Lediglich in den Garten und auf die Veranda schafft sie es.

Miriam hat einen freundlichen Nachbarn, Boo, und eine Freundin, Fenella, die ihr helfen das Leben zu meistern. Diese beiden Charaktere sind ebenso langweilig wie unnötig und doch wird beiden extrem viel Raum in dem Buch gegeben, der für wichtigere Dinge gebraucht worden wäre.

Nach diesen drei Jahren selbstverordneter Haft beschließt Miriam von heute auf morgen, dass sie raus gehen wird. Einfach so. Ihr kommen keine Zweifel, sie hat keine Panik - sie spaziert einfach so hinaus in die Welt und fügt sich in das Stadtbild ein, als wenn sie nie weg gewesen wäre. Miriam hat Angst vor Menschen? Kein Problem, dann geht sie eben ins Kino. Ganz stimmig durchdacht war auch dieser Punkt nicht. Alles in Allem ist sowohl die Geschichte um Miriam als auch das gesamte Buch realitätsfern.

Irgendwann verschlägt sie es in einen Wald, in dem sie auf Ralph trifft.

Ralph war mal Gärtner und wurde auf Drängen seiner Frau Sadie dann Psychotherapeut. Zusammen mit ihr hat er Zwillingsjungs, von denen einer hochaggressiv und der andere schwul ist. Leider interessiert sich weder Ralph noch Sadie für einen der beiden. 

Sadies Leben spielt nur im Internet, was im Buch durch eingeschobene Twitter-Tweets deutlich gemacht wird. Nicht nur, dass ich das erst gar nicht verstanden hatte, da ich selbst kein Twitter nutze, es hat mich auch tierisch genervt und war absolut unnötig. Irgendwie erschien es mir, als wenn man versuchte noch ein paar Seiten zu füllen, denn diese kurzen Tweets haben doch ziemlich viel Raum auf den jeweiligen Seiten eingenommen. 

Auch hier hat eine Nebenfigur, meiner Meinung nach, viel zu viel Aufmerksamkeit bekommen. Irgendwie wird man nämlich das Gefühl nicht los, dass es in diesem Buch eigentlich um Sadie geht.
Seitenweise entdeckt sie ihre homosexuelle Ader wieder, erinnert sich an ihre erste große Liebe und tut alles um diese zurück zu bekommen. Ralph und Miriam? Völlig verdrängt durch Sadie und ihre Weiber.

Als Ralph irgendwann seine Familie verlässt und in den Wald geht, trifft er auf Miriam.
Obwohl sie extrem scheu und ängstlich ist, vertraut sie ihm sofort ihr ganzes Leben an. Na klar, er ist Psychotherapeut und dafür ausgebildet mit so was umzugehen, mag jetzt mancher von euch denken...falsch gedacht. Den lieben Ralph interessiert das nämlich alles nicht die Bohne. Er hört ihr zwar zu, aber er analysiert nichts und scheint auch nicht sonderlich erpicht darauf zu sein Miriam irgendwie zu helfen.

Ich mochte den schwulen Sohn und hätte gern mehr über ihn und seinen Freund gelesen. Der Rest des Buches war mir eigentlich relativ egal und hat mich genervt.

Es war mir alles zu realitätsfern, es blieben zu viele offene Fragen und die Autorin hat ihre meiste Zeit und den Großteil des Buches mit Nichtigkeiten vertrödelt.

Das Einzige, was mir wirklich richtig gut gefallen hat, war die Antwort der Kummerkasten-Tante, an die Sadie sich gewendet hatte. Endlich gab es mal jemanden, der dieser eingebildeten und egozentrischen Nuss die Meinung gesagt hat.
 

Zitate / Textstellen

 
Sadies Worte hingen noch immer im Raum.
Wir müssen unbedingt in die Türkei.
Ich sollte behaupten, du hättest mich vergewaltigt.
Happy Fucking Birthday.
(Seite 55)


Fazit


Ich will niemanden davon abhalten dieses Buch zu lesen. Es gibt durchaus Menschen, denen es gefällt, aber ich persönlich kann es einfach nicht empfehlen.

Bewertung



1 Kommentar:

  1. Oje, da scheinst du ja ganz schön Pecht gehabt zu haben. Da klingt einiges ganz schön konfus! Lg, Emma

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