Samstag, 27. Februar 2016

[REZENSION] "Michael Ende - Gefangen in Phantásien" von Birgit Dankert

Titel: Michael Ende - Gefangen in Phantásien
Autor: Birgit Dankert
Verlag: Lambert Schneider
Jahr: 2016
Seiten: 275
Preis: 24,95€
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Ich danke Lambert Schneider für dieses Rezensionsexemplar!


Ein Meister im Reich der Phantasie

"Die unendliche Geschichte" war ein Welterfolg und machte Michael Ende zum Star. "Jim Knopf" und "Momo" begeisterten als Puppenspiel, Film und Musical. Ende entdeckte die phantastische Kinder- und Jugendliteratur für Deutschland und vermochte auch erwachsene Leser zu fesseln. Aber er war nicht unumstritten. Weltfern und realitätsblind lautete der Vorwurf.
Birgit Dankert hat für diese Biographie umfangreiches Archivmaterial ausgewertet und mit Weggefährten gesprochen. Sie zeichnet Endes Leben sorgsam nach: die Kindheit in München, den Zweiten Weltkrieg, das Scheitern auf der Bühne, den Durchbruch als Autor, Krise und Neuanfang in späten Jahren. Das Resümee ist nicht ohne Tragik. Michael Ende wurde geliebt und verehrt, doch die ersehnte Anerkennung als Theaterautor und Regisseur blieb ihm versagt. Birgit Dankert ist ein einfühlsames Porträt gelungen, das uns Michael Ende so nahe bringt wie nie zu vor.


Wer kennt ihn nicht, den großen Meister der Phantasie und der Kindheit? Mit seinen wahnsinnig tollen Geschichten hat er Kinder mehrerer Generationen inspiriert und wird es sicher noch viele, viele Jahre und Jahrzehnte tun. Michael Ende.

Ich habe mich wirklich, wirklich, wirklich gefreut wie ein Plätzchen, als ich die Nachricht bekam, dass mir dieses Buch zur Verfügung gestellt werden würde, da ich absolut gar nichts über den Menschen Michael Ende wusste.

Schon beim Anblick des Covers wurden alle meine Vorstellungen erfüllt. Ende sieht aus wie der tolle Märchenonkel, auf dessen Schoß man sich setzt und der einen mit seinen Geschichten in fremde Welten entführt. Er wirkt frech und ungemein sympathisch.

Leider kann ich das nach dem Lesen der Biographie nicht mehr sagen - und das macht mich wirklich etwas traurig.


Ich habe immer angenommen, dass jemand, der solche tollen Geschichten für Kinder schreibt auch ein Kindernarr und ein wirklich liebevoller Mensch sein muss. Doch so schien Michael Ende nicht zu sein. Er wollte niemals Kinder- und Jugendbücher schreiben und konnte sich bis zu seinem Tod nicht damit anfreunden, dass die Leser eben genau diese Geschichten von ihm wollten und ihn eigentlich jeder darauf reduziert. Oder kennst du eines seiner Gedichte oder Theaterstücke?

Auch der private Michael Ende war kein Mensch mit dem ich etwas zu tun gehabt hätte. In der Schule und später an der Schauspielschule absolut faul und undiszipliniert und meiner Ansicht nach ziemlich arrogant und fast schon süffisant. Er hat weder gelernt noch sich angestrengt, hatte eine ziemlich große Klappe und wollte aber im Gegenzug von allen gefeiert werden. Man kann kein Lob erwarten, wenn man nichts tut - so läuft es im Leben nunmal nicht. Ich möchte Ende auf keinen Fall sein Talent absprechen, denn das zeigte sich schon recht früh, jedoch ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und Übung macht den Selbigen ;-)

Er wusste um seine Wirkung auf Frauen und hat diese auch genutzt. Sein ganzes Leben über hatte er Affären und Liebschaften. Und dabei war es ihm völlig egal ob er in festen Händen war oder nicht. Das ist noch so ein Punkt, der ihn bei mir nicht gerade beliebter macht. Aber das ist nur meine Meinung, andere Menschen haben da vielleicht weniger Probleme mit ;-)


Michael Ende schien ein "Lebemann" zu sein. Wechselnde Liebschaften, Alkohol und Zigarettenkonsum - und das alles nicht zu knapp. Als junger Erwachsener bestand sein Freundeskreis aus anderen Künstlern, die alle ebenso wie er kein Geld hatten. Niemand wusste wie es nächste Woche oder nächsten Monat weitergehen würde und was wohl passieren wird, wenn die nächste Miete fällig ist. Doch alle Mann haben ihre letzten Groschen zusammengekratzt um Alkohol zu kaufen und elf Tage und Nächte Fasching zu feiern. Künstlern wird so etwas gerne verziehen und auf den Beruf verwiesen. Jeder andere wäre ein "fauler Sack", der endlich mal erwachsen werden und Verantwortung übernehmen sollte. Ich persönlich mache da kein Unterschied beim Berufsstand.

Aber zu viel möchte ich euch nun nicht verraten, falls ihr das Buch selbst noch lesen möchtet ;-)

Die Autorin hat ohne Frage viel Zeit und Mühe investiert, doch ich muss leider sagen, dass dieses Buch mir insgesamt nicht gefallen hat. Im Klappentext heißt es: "Birgit Dankert ist ein einfühlsames Porträt gelungen, das uns Michael Ende so nahe bringt wie nie zu vor."
Dem muss ich leider widersprechen. Selbstverständlich weiß ich jetzt sehr vieles über Michael Ende, aber einfühlsam waren diese 275 Seiten auf keinen Fall. 

Dass Endes Leben hier strikt chronologisch geordnet ist, fand ich nicht schlecht. So weiß man als Leser immer in welcher Zeit man sich gerade befindet und kann sich ungefähr vorstellen wie die damaligen Umstände waren. Allerdings wird auch immer mal wieder auf zukünftiges hingewiesen, was mich an manchen Stellen etwas verwirrte und durcheinander kommen ließ.

Auf der einen Seite finde ich es wirklich gut, dass die Autorin viele Werke oder Auszüge davon zitiert, Behauptungen mit Briefen oder Aussagen von Weggefährten belegt, aber andererseits stört es stellenweise den Lesefluss und ließ mich persönlich nur langsam vorankommen.


Gewisse Punkte, über die ich mir mehr Informationen gewünscht hätte, wurden in zwei oder drei Sätzen abgetan (beispielsweise der Tod von Endes erster Frau) und wieder andere Themen wurden über so viele Seiten zelebriert, dass sie mich stellenweise langweilten. Mich persönlich interessiert es nicht so brennend in welchen Straßen mit Hausnummer und Fassadenfarbe Michael Ende im Laufe seines Lebens gewohnt hat.

Zwei weitere Negativpunkte sind zum einen Rechtschreibfehler oder das Fehlen ganzer Worte und die vielen Fremdworte, die meiner Ansicht nach nicht hätten sein müssen.

Das Essen organisiert und rechnet der Geschäftsführer Wolfgang Werlé ab, der sieben Monate später, am 14. Juli 1990, zusammen mit seinem Halbbruder Walter Sedlmayr umbringen wird.
(Seite 253)

Natürlich weiß jeder, was damit gemeint ist, aber in einem Buch für 25€, dass nicht in solch riesigen Auflagen rauskommt wie manch gehypte Reihe, sollte so etwas nicht passieren. Zumal es mehr als einmal vorkommt.


Dieses Buch ist interessant für Menschen, die einen sehr sachlichen Blick auf das Leben anderer Personen werfen möchten. Die keine Lust auf Emotionen oder die eigene Meinung des Autors haben, sondern sich mit Spekulationen und Hörensagen zufriedengeben.

Der Hinweis auf das einfühlsame Porträt ist meiner Ansicht nach unwahr und vollkommen irreführend, da diese Biogrfie sachlicher und emotionsloser nicht hätte sein können.  

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