Dienstag, 5. April 2016

[REZENSION] "Mein Leben: Eine lange Geschichte" von Willie Nelson

Titel: Mein Leben: Eine lange Geschichte
Autor: Willie Nelson
Verlag: Heyne
Seiten: 428
Jahr: 2015
Ausgabe: Hardcover
Preis: 22,99€


Die Lebensbeichte des letzten echten Outlaws

Willie Nelson ist unbestritten eine der großen amerikanischen Ikonen der Musikgeschichte. Und er ist eine echte Type, die Sorte Mensch, über die man mehr wissen will. Er stand an der Speerspitze der Outlaw-Bewegung der 70er. Er machte sich für die Legalisierung von Marihuana stark. Zusammen mit Neil Young gründete er die Farm-Aid-Organisation, die sich für familiär geführte landwirtschaftliche Betriebe einsetzt. Er verlor in den Neunzigerjahren wegen Steuerschulden seinen ganzen Besitz. Und er kämpfte sich zurück, tourt im Alter von 82 Jahren unermüdlich durch die Welt, machte letztes Jahr den schwarzen Kampfsportgürtel fünften Grades. Und ähnlich wie Johnny Cash läuft er in hohem Alter zu Höchstform auf: Seine letzten Alben wurden von der Kritik und vom Publikum gefeiert, die alten Fans verehren ihn, die jungen Fans bewundern ihn. Er spielt mit Jack Black, den Foo Fighters oder Snoop Dogg – von wegen Altersheim!

(Da es keinen wirklichen Klappentext gibt, seht ihr hier die Buchinfo von Heyne


Ein Lied ist eine kurze Geschichte.


Irgendwie wurde mir das "Ich mag Country"-Gen scheinbar in die Wiege gelegt. Mein Opa war Berufssoldat und viel mit den damals hier stationierten Soldaten der Army zusammen. "Die Amis" hatten nicht nur teils andere Ansichten, Lebensweisheiten und technische Errungenschaften, sondern brachten auch neue Musik mit ins Land. Mein Großvater war durch und durch begeistert und später auch viel in den Staaten unterwegs um sich alles anzugucken, wovon er in jüngeren Jahren nur erzählt bekommen hatte.
Wenn er mal zu Hause bei Frau und Kindern war und nicht in irgendwelchen Kasernen hing, dudelten die Platten der verschiedenen Musiker aus den Südstaaten rauf und runter. Ein paar Lieder liefen später auch dann und wann bei uns zu Hause und so kam es, dass mir Willie Nelson, Johnny Cash, June Carter und Dolly Parton bereits in füher Kindheit ein Begriff waren. Als ich durch Zufall auf Willies Biographie stieß, war mir klar, dass ich sie unbedingt lesen muss

Biographien zu bewerten finde ich immer schwierig, da es da so wenig wie möglich auf den Inhalt ankommt und viel mehr auf die Technik des Schreiberlings. Willie Nelson hat sich für seine Biographie David Ritz ins Boot geholt, der bereits als Co-Autor an den Biographien von B.B. King und Etta James mitwirkte und die Lebensgeschichte von Aretha Franklin verfasste - der Mann weiß also was er tut.

Willie Nelsons Leben ist, ebenso wie er selbst, absolut wild, ungestühm und unzähmbar verlaufen. Nichts war vorauszusehen oder in irgendeiner Form berechenbar. Von seinen Eltern bei den Großeltern zurückgelassen und Kraft im Glauben zu Gott gefunden, musste er durch einige harte Prüfungen und über viele Steine klettern, die ihm das Leben (und stellenweise auch er selbst) in den Weg gelegt hat. Drei treue Begleiter waren ihm dabei aber immer sicher. Frauen, seine Gitarre Trigger und ein Joint zwischen den Lippen.

Das Buch liest sich wie ein Roman und ich könnte mir vorstellen, dass Willie sein Leben genau so erzählen würde, wenn er der eigene Großvater wäre. Irgendwo auf einer Farm, im Schaukelstuhl auf der Veranda, die Gitarre in greifbarer Nähe, den Blick auf einen unbestimmten Punkt in der Ferne gerichtet und das Knistern der Glut bei jedem Zug.

In dem Buch befinden sich viele private Farbaufnahmen von Willie, seinen Frauen, Kindern und Wegbegleitern. Auch passt es optisch ohne Schutzumschlag sehr gut zu der rustikalen Geschichte.



Willie war mir immer schon sympathisch und nach diesem Buch - der Geschichte seines Lebens - ist diese Zuneigung nur noch weiter gestiegen


Es ist die Geschichte eines klampfenden Bauernburschen aus Hill County, Texas, dem das Leben eher gut als böse mitgespielt hat und der sich seinen Verstand nur bewahren konnte, weil er bei der Musik blieb, an der sein Herz hing.
(Seite 11)

Was Mädchen angeht, hatte ich von Anfang an einen leichten Satnd. Im Grunde bin ich mit den Vertretern des anderen Geschlechts mein Leben lang wunderbar ausgekommen - bis ich anfing sie zu heiraten.
(Seite 37)


Wie jede Biographie ist auch diese natürlich nur für Leser geeignet, denen Willie Nelson auch ein Begriff ist. 
Für jeden Fan ein Muss und für jeden Zweifler möglicherweise der kleine Schubs um ihn, als Menschen, doch noch zu mögen ;-)




Ich danke Heyne für dieses Rezensionsexemplar! 



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