Freitag, 6. Mai 2016

[REZENSION] "Die Ungehörigkeit des Glücks" von Jenny Downham

Titel: Die Ungehörigkeit des Glücks
Autor: Jenny Downham
Verlag: C.Bertelsmann
Seiten: 479
Jahr: 2016
Ausgabe: Hardcover
Preis: 19,99€

>>LESEPROBE<< 
Katie - Caroline - Mary:
Drei Frauen.
Drei Generationen.
Drei Lebensgeschichten.

Die Begegnung der drei lässt alte Wunden aufbrechen und Lebenslügen zerbrechen. Als die 17-jährige Katie ihrer Großmutter Mary zum ersten Mal begegnet, hat diese schon deutliche Anzeichen von Alzheimer. Katie erkennt das Liebenswerte und Faszinierende an der alten Dame, und vor allem beginnt sie, deren Erinnerungen aufzuschreiben. Sie spürt dabei Familiengeheimnisse auf, die nicht nur ihre Mutter Caroline in ein völlig neues Licht rücken.

Als ob ein Alien gelandet wäre.

Marys Lebensgefährte stirbt. Als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, kommt sie zu einer Frau und ihren zwei Kindern, die sie nicht kennt. Jeden Tag macht sie sich auf die Suche nach ihrer Tochter Caroline, die ganz in der Nähe wohnt. Was Mary nicht weiß ist, dass ihr Gehirn sie im Stich lässt. Caroline ist schon lange erwachsen und selbst Mutter zweier Kinder. Und Mary wohnt bei ihnen.

Ich will gar nicht so viel vom Inhalt erzählen, weil viele Familiengeheimnisse erst nach und nach aufgedeckt werden - und ich habe nicht vor euch zu spoilern

Katie versucht mit Hilfe eines Erinnerungstagebuchs Marys Vergessen etwas einzuschränken. Sie notiert alle Geschichten aus der Vergangenheit, die ihre Großmutter ihr erzählt, und liest sie Mary von Zeit zu Zeit vor um sie daran zu erinnern. Diese Geschichten helfen nicht nur Mary sondern auch Katie, da in der Familie über viel Vergangenes geschwiegen wird. Katie deckt so nicht nur ein Familiengeheimnis nach dem anderen auf, sondern findet auch noch zu sich selbst und den Dingen, die im Leben wirklich wichtig sind.

Eine Nebengeschichte in diesem Buch ist das Thema Homosexualität. Wer da grundsätzlich Probleme mit hat, sollte nicht zu diesem Roman greifen. Ich persönlich finde, dass diese Geschichte aber zwingend notwendig ist, da sie die Wandlung einer der Charaktere wunderbar verdeutlicht.

In einigen Rezensionen habe ich gelesen, dass sich über Längen beschwert oder der gesamte Roman direkt als langweilig abgestempelt wurde. Das Thema Alzheimer ist eben ernst und kann nicht mit Halligalli und Party beschrieben werden. Auch wenn der Leser das ein oder andere Mal schmunzeln kann, überwiegen doch Ruhe und Ernsthaftigkeit - was ich als sehr angenehm empfinde, wenn es um solch ein Thema geht.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm. Die Autorin konnte mich von Anfang bis Ende voll damit überzeugen und fesseln. Ich hätte auch noch 100 weitere Seiten gelesen, wenn der Roman diese gehabt hätte.

Jenny Downham zeigt nicht nur wie kompliziert das Leben als Angehöriger sein kann, sondern beschreibt auch wunderbar die Gefühle und Gedankengänge von Mary, also einer Betroffenen. Da ich selbst jahrelang in der Altenpflege gearbeitet und mich stellenweise auch um Demenz- und Alzheimerpatienten gekümmert habe, empfinde ich diesen Roman als sehr realistisch.

Jenny Downham hat kein Sach- oder Fachbuch über dieses Thema geschrieben. Das darf also niemand erwarten. Aber sie hat einen schönen Roman über das Vergessen, das Erinnern und die Selbstfindung geschrieben, der auf jeden Fall lesenswert ist!




 Ich danke dem Bertelsmann Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

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