Dienstag, 23. August 2016

[REZENSION] "Jane Eyre" von Charlotte Brontë





Verlag: Manesse I Leseprobe
Seiten: 565
Jahr: 2016 (Original: 1847)
Ausgabe: Hardcover
Preis: 26,95€
Meine Bewertung: 5+/5
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Mit der charakterstarken, mitreißend emotionalen Jane Eyre schuf Charlotte Brontë eines der berührendsten Frauenporträts der englischen Literatur. Den 200. Geburtstag der Autorin feiern wir mit einer liebevoll gestalteten Jubiläumsausgabe der «genauen, sorgfältig ausbalancierten» (Paul Ingendaay) Übersetzung von Andrea Ott.

Die märchenhaft anmutende Geschichte der Waise von Lowood, von einer unbekannten Debütantin in einem weltfernen Provinznest verfasst, eroberte im Nu einen wichtigen Platz in der Weltliteratur – und behauptet ihn noch immer. Die unerhört eigenständige und eigensinnige Heldin gewinnt ihre Größe im existenziellen Widerstreit zwischen tiefem Liebesverlangen und dem, was der menschlichen Seele letztlich die Selbstachtung erhält: dem Gefühl persönlicher Integrität. Selbst als das zum Greifen nahe Glück auf ewig verloren scheint, bleibt sie sich treu. Janes unbedingte Ehrlichkeit rührt bis heute nicht nur das Herz des finsteren Mr. Rochester, sondern jede neue Generation von Leserinnen und Lesern. (Manesse)
An einen Spaziergang war an diesem Tag nicht zu denken.

Ein 565 Seiten starker, englischer Klassiker? Das ist doch eine Qual!
Tja, falsch gedacht

Für das Erscheinungsdatum kommt dieses Werk nämlich sehr modern daher (oder hatte ich einfach Glück mit meiner Übersetzung?) und lässt sich sehr locker und flüssig lesen. Weder staubtrocken, noch schwer verständlich oder die immerwärende Frage: "Was will der Autor damit sagen?" - wer bereits durch das Elend musste das Vergnügen hatte Goethe begegnen zu müssen dürfen, weiß was ich meine.

169 Jahre alt und kein bisschen verstaubt. Ganz im Gegenteil. Charlotte Brontë beschreibt außergewöhnlich mutig den Lebensweg der emanzipierten Jane Eyre. Und das zu einer Zeit bevor die Suffragetten auf dem Vormarsch waren und die Frau (noch viel später) als gleichgestelltes Wesen betrachtet wurde.

Ich will eigentlich nicht viel über den Inhalt verraten, weil es wirklich, wirklich lesenswert ist und ich euch da keinerlei Freude nehmen möchte. So viel sei verraten: Es ist kein Liebesroman. Es behandelt nicht in einem Kapitelchen Janes Kindheit und dreht sich dann nur um sie und Mr. Rochester. Der Leser begleitet Jane durch ihr ganzes Leben. Ihr unglaubliches Leid in jeder Lebensphase und auch die Freude, die sie dann und wann (viel zu selten) erleben durfte. Wie der Titel schon sagt, geht es um Jane Eyre - und nichts anderes

Alle Charaktere wurden wunderbar ausgearbeitet. Und auch wenn es im großen und ganzen eigentlich nur um Jane geht, wirkt niemand blass oder kurz angeschnitten. Zu jeder Person kann man sich ein Bild machen und weiß genau, was man von ihm/ihr zu halten hat.

Doch die Autorin kämpft nicht nur für Jane Eyres Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und Freiheit, sondern auch für die aller Frauen. In vielen Passagen des Buches äußert sich Jane sehr abfällig über die Rolle der Frau und man fragt sich als Leser, ob da nicht eher Charlotte selbst spricht, statt einer erfundenen Figur.

Was ich persönlich etwas anstrengend fand, waren die französischen Sätze, die zwischendrin auftauchen. Jane arbeitet als Gouvernante für Mr. Rochester und betreut sein Mündel aus Frankreich - die leider kaum Englisch spricht. Dadurch fließen an manchen Stellen viele französische Sätze ein. Mein Schulfranzösisch lässt mich da dann leider ziemlich hängen. Alle diese Sätze (und auch verschiedene Begriffe im Buch) sind mit Zahlen versehen und im Anhang sind dazugehörige Übersetzungen zu finden - aber mal Hand aufs Herz: Wer hat schon Lust ständig zu blättern?
Der Sinn hat sich mir aber auch so erschlossen, weswegen ich nach dem dritten oder vierten Mal schon nicht mehr nachgeschaut habe.

Den sehr passenden Abschluss bildet ein Resumee durch Jane, was aus den einzelnen Charakteren geworden ist, die uns im Laufe der Zeit begegnet sind. Dies finde ich wirklich wunderbar und absolut passend!

Nachdem ich das Buch gelesen hatte, habe ich mich auf die Suche nach einer Verfilmung gemacht und tatsächlich eine gefunden, die mir zum einen gefallen und zum anderen auch den Buchinhalt gut wiedergegeben hat. Wer also keine Lust auf so viele Seiten hat aber trotzdem wissen möchte was mit Jane Eyre passiert ist, darf auch zum Film greifen - wobei ich immer das Buch empfehlen würde



"Nichts gegen die Reise, aber gegen die Entfernung, und das Meer trennt mich..."
"Wovon, Jane?"
"Von England und von Thornfield und..."
"Ja?"
"Von Ihnen, Sir."
(Seite 306)

Charlotte Brontë berichtet schonungslos von dem Leben einer Frau im 19. Jahrhundert. Es wird nichts geschönt und es kommt auch kein Herzog auf seinem Schimmel angeritten, der sie auf sein Schloss mitnimmt und verwöhnt. 
Jane wird abgelehnt, nicht geliebt, gezüchtigt und muss Hunger leiden. Aber sie erfährt auch Anerkennung und Liebe.

Dieser Roman war vor über 160 Jahren bereits ein unglaublich gutes Buch und wird es auch in 500 Jahren noch sein!




Ich danke den Manesse Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

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