Donnerstag, 17. November 2016

[REZENSION] "Als unsere Herzen fliegen lernten" von Iona Grey





Verlag: blanvalet I Leseprobe
Seiten: 604
Jahr 2016
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: 9,99€
Meine Bewertung: 5+/5
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Er versprach, sie ewig zu lieben. Doch selbst die Ewigkeit kennt manchmal ein Ende... 

1943, London: In der Ruine einer zerbombten Kirche trifft der amerikanische Pilot Dan Rosinski die junge Engländerin Stella Thorne. Es ist der Beginn einer unaufhaltbaren, aber unmöglichen Liebe, denn Stella ist verheiratet, und Dans Chancen, den Krieg zu überleben, sind mehr als gering. In einer Zeit, in der alles ungewiss ist, schreiben sie sich Briefe, um an dem festzuhalten, woran sie glauben: ihre Liebe. Viele Jahrzehnte später rettet sich eine junge Frau in ein leerstehendes Haus in einem Londoner Vorort. Da erreicht sie ein Brief, der sie in die Geschichte einer Liebe hineinzieht, die ein halbes Jahrhundert überlebt hat … (blanvalet

Am Morgen erstrahlt das Haus in voller Pracht.

Was haben eine junge Frau aus den 40er Jahren und eine aus dem Jahre 2011 gemeinsam? Nicht viel, werdet ihr vermutlich denken und habt gar nicht so Unrecht damit. Auf den ersten Blick verbindet Stella und Jess überhaupt nichts miteinander - und doch können beide froh sein, dass es die jeweils andere gibt.

Jess flüchtet vor ihrem Exfreund und steht plötzlich mittellos auf der Straße. Sie bricht in ein unbewohntes Haus ein, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Durch Zufall findet sie einen Schuhkarton mit Briefen aus einer längst vergangenen Zeit. Es sind Liebesbriefe aus den 40er Jahren. Geschrieben von einem amerikanischen Soldaten, an eine englische Hausfrau. Eine Liebe, die mit Kriegsende ebenfalls vorbei war. Oder nicht?

Stella ist frisch verheiratet und lebt mit ihrem Ehemann in einem kleinen Pfarrhaus. Die Ehe ist sehr unglücklich und Charles scheint ein Geheimnis vor ihr zu haben. Als sie eines Abends aus dem Trott und dem Alltag während des zweiten Weltkrieges ausbricht, lernt sie den amerikanischen Soldaten Dan kennen. Es kommt wie es kommen muss, die beiden verlieben sich ineinander. Eine geheime Liebe ist zu dieser Zeit gar nicht so leicht, denn Stella kann sich nicht so ohne weiteres scheiden lassen. Und dann erreicht sie eines Tages die Nachricht, dass Dans Flieger abgeschossen wurde und sie schwanger ist...

Iona Grey hat es geschafft, zwei Geschichten in zwei Zeitzonen spielen zu lassen, die unmittelbar miteinander verbunden sind und somit zu einer werden. Dabei ist es ihr gelungen beide Protagonisten-Paare wirklich sympathisch zu beschreiben und ihnen allen Tiefe zu geben. Keine Figur wird oberflächlich abgehandelt und es gibt keine schwarz-weiß Beschreibungen. Selbst wenn man Charles für einen Unmenschen hält, tut er einem ein paar Sätze weiter schon wieder leid, weil auch er selbst durch seine ganz persönliche Hölle geht.

Die Geschichte um Stella und Dan fand ich persönlich noch etwas interessanter und emotionaler, als die um Jess und Will. Vielleicht einfach weil man schon von vornherein weiß, dass es für die beiden kein Happy End gab. Und obwohl man das weiß fiebert und hofft man als Leser mit, dass doch noch alles gut wird.

In diesem Buch geht es nicht nur um zwei Liebesgeschichten, sondern auch um die jeweils äußeren Umstände, die die Personen durchleben müssen. So muss Stella eine unglückliche Ehe führen, einen Haushalt zwischen Hunger und Rationierungsbuch bestreiten und sich selbst über all dem nicht vergessen. Jess steht ebenfalls vor dem Problem, dass sie Hunger leiden muss. Allerdings nicht weil die Lebensmittel knapp werden, sondern sie einfach kein Geld hat. Noch dazu ist sie krank und lebt in einem kalten Haus, das nicht ihr eigenes ist. Sie braucht also zwingend Geld und das bekommt man durch einen Job. Doch leider ist es gar nicht so einfach einen Job zu bekommen, wenn man mehr tot als lebendig und ohne ansprechende Kleidung in einem schimmeligen Bett liegt und sich kaum rühren kann. 

Auch die Geschichten um Charles, Dan, Will, Stellas Freundin Nancy und generell über Stellas kleines Heimatörtchen kommen nicht zu kurz. Dabei hat man als Leser allerdings nie das Gefühl, dass es in irgendeiner Form unnötig wäre - auch wenn man natürlich lieber wissen will, wie es mit Stella und Dan beziehungsweise Will und Jess weitergeht.

Der Schreibstil ist wirklich ganz wundervoll und die Seiten fliegen nur so dahin. Einmal angefangen will man gar nicht mehr aufhören zu lesen. Ich hoffe, dass noch einiges aus der Feder der Autorin seinen Weg in die Buchhandlungen finden wird. Ich perönlich würde sofort zuschlagen!
Außerdem könnte ich mir eine (gute) Buchverfilmung in diesem Fall wirklich gut vorstellen. Es sind Geschichten wie diese, die wir Mädels nicht nur lesen sondern auch sehen wollen!

Ich nehme es ihm übel, dass er mich wie ein kleines Kind behandelt und mir rein gar nichts zutraut. Aber vor allem nehme ich es ihm übel, dass er mich von dem Mann fernhält, mit dem ich wirklich zusammen sein will.
(Seite 232)

"Manchmal glaube ich, wir hatten einfach nur Pech, weil wir zur falschen Zeit geboren wurden."
(Seite 600)

Du suchst ein Geschenk für deine beste Freundin, deine Mutti, Schwiegermutti oder Oma? Dann ist dieses Buch genau richtig! Natürlich kannst du es dir damit aber auch selbst gemütlich machen.
Emotionen zwischen 'Wie wundervoll' und 'Das kann doch nicht wahr sein' geben sich die Klinke in die Hand. Der Leser lacht und leidet mit den Protagonisten.
Auf jeden Fall Taschentücher bereithalten!



Ich danke blanvalet für dieses Rezensionsexemplar!

Kommentare:

  1. Hallo ;-)
    Eine wundervolle Rezi zu einem offenbar wundervollen Buch.
    Vermerkt ist es schon, doch nun wird es wohl endlich Zeit, dies endlich zu lesen.
    Liebste Grüße, Hibi

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    1. Hallo Hibi!

      Ich kann dieses Buch wirklich empfehlen. Es kann auf den ein oder anderen schnell abschreckend wirken - 600 Seiten macht man nicht mal eben nebenbei - aber es liest sich so flüssig, dass es gar nicht auffällt und man sich an der ein oder anderen Stelle wünscht, dass man noch mehr darüber lesen kann ;-)

      Wer bittersüße Liebesgeschichten mag ist hier definitiv an der richtigen Adresse!

      Ich danke dir für deinen Kommentar und schicke liebe Grüße

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  2. Hallo!
    Ich fand das Buch auch wirklich toll und mochte es sehr! Vorallem die Geschichte um Stella und Dan fand ich wundervoll, aber ich bevorzuge fast immer den Erzählstrang aus der Vergangenheit.
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Hallo Martina!

      Ja interessanterweise finde ich den Erzählstrang der Vergangenheit auch meist spannender - vielleicht weil da eben einfach nichts mehr geändert werden kann. Egal was in dem aus der Gegenwart passiert.

      Es freut mich, dass dir dieses Buch ebenfalls gefallen hat und danke dir für deinen Kommentar :-)

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