Mittwoch, 14. Dezember 2016

[REZENSION] "The Dry" von Jane Harper





Verlag: Rowohlt
Seiten: 379
Jahr: 2016
Ausgabe: Paperback
Preis: 14,99€
Meine Bewertung: 3/5
Kaufen?: Verlag I Thalia I Amazon


Ein beklemmender Thriller um Heimat, Loyalität und Vergebung.

Die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten lastet wie heißes Blei auf dem ländlichen Städtchen Kiewarra mitten im Nirgendwo. Das Vieh der Farmer stirbt, die Menschen fürchten um ihre Existenz. Als Luke Hadler, seine Frau und ihr Sohn Billy erschossen aufgefunden werden, glauben alle, dass der Farmer durchgedreht ist und erweiterten Suizid begangen hat. Aber Sergeant Raco hat seine Zweifel.
Aaron Falk kehrt nach zwanzig Jahren zum ersten Mal nach Kiewarra zurück - zur Beerdigung seines Jugendfreundes Luke. Bald brechen alte Wunden wieder auf; das Misstrauen wirft seine langen Schatten auf die Kleinstadt. Und in der Hitze steigt der Druck immer mehr...
(Rowohlt)

Natürlich war der Tod auf der Farm nichts Neues, und die Schmeißfliegen waren nicht wählerisch.

Als ich bei Blogg dein Buch gesehen habe, dass dieses Buch vom Verlag zur Verfügung gestellt wird, musste ich mein Glück versuchen - und ich bekam tatsächlich ein Exemplar. Die Freude war groß, klang der Klappentext doch spannend und ich stellte mir einen spannenden Thriller vor, der sich zusätzlich zur eigentlichen Geschichte noch mit einer Dürre auseinandersetzen muss. Schnell stellte ich aber fest, dass meine Vorstellung weit von dem abweicht, was mir geboten wurde. Sowohl der Titel, als auch die Einteilung des Genre sind, in meinen Augen, sehr irreführend.

Der Leser begleitet Aaron Falk nach 20 Jahren in seine Heimatstadt irgendwo im australischen Nirgendwo. Gekommen um an der Beerdigung seines alten Freundes teilzunehmen, befindet er sich plötzlich mitten in seiner Vergangenheit, die er aufzuarbeiten gezwungen wird. Vor 20 Jahren konnte er mit seinem Vater flüchten, nun bringt ihn das Pflichtgefühl dazu doch zu bleiben. Denn Aaron ist bei der Polizei und wird von den Eltern seines toten Freundes gebeten, ein Auge auf die Ermittlungen zu werfen. Hat Luke wirklich seine Frau, seinen Sohn und danach sich erschossen? Und warum durfte seine Tochter weiterleben?

Ich will nicht zu viel verraten, weswegen ich nun nicht sagen werde, was genau Aaron damals zum Fliehen gebracht hat. Es handelt sich um eine Straftat, die bis heute nicht aufgeklärt wurde, für die Aaron verantwortlich gemacht wird. Aus diesem Grund schlägt ihm auch Abscheu, Ignoranz, Aggression und Hass entgegen, als er wieder auftaucht und im Todesfall seines Freundes Luke und dessen Familie ermittelt. Die Polizeiarbeit wird absichtlich behindert und erschwert und Aaron psychisch maltretiert. Es scheint, dass sich bis auf einige wenige, die komplette Kleinstadt gegen ihn verschworen hat.

Da es für ihn auch von persönlichem Interesse ist, ermittelt er nicht nur in dem Todesfall, sondern auch noch in der Straftat, die ihm seit 20 Jahren angelastet wird. Wird er beides aufklären können?

Zunächst muss ich sagen, dass es sich hierbei auf keinen Fall um ein schlechtes Buch handelt! Warum ich dann zwei Sterne abgezogen habe? 
Ich persönlich habe mir einfach etwas ganz anderes unter dem Titel "The Dry" (= Die Dürre) vorgestellt. Ich dachte, dass zusätzlich zu der eigentlichen Geschichte auch noch aktiv in irgendeiner Form gegen die Dürre gekämpft werden muss. Ich dachte an Wasserknappheit, horrende Preise, illegal angezapfte Rohre, Waldbrände,...und stattdessen gab es einen Warnhinweis an einer Dusche, dass nicht so viel Wasser verwendet werden darf, zwischendurch eine Erwähnung von hohen Temperaturen, trockenen Wiesen und Feldern und laufende Klimaanlagen. Das war's. Da verstehe ich persönlich den Titel einfach nicht. Es hätte auch Winter oder eine Regenperiode sein können - an der Geschichte hat das Wetter nichts geändert.
Dieses Buch als Thriller zu bezeichnen, halte ich persönlich für falsch. Es handelt sich im Endeffekt um einen guten Roman - aber eben keinen Thriller. Klar, der Anfang ist spannend und man fragt sich, was wohl passiert sein kann, dass ein Mann seine ganze Familie und sich selber erschießt...doch dann rauscht die Spannung und das Interesse absolut in den Keller und braucht ewig um von dort wieder hoch zu kommen. Das sorgt für viele Längen und - ich muss es leider so sagen - zwischenzeitliche Langeweile. Am Ende kommt die Spannung wieder zum Vorschein und das auch richtig krachig, aber leider musste ich mich davor durch mehr als 200 Seiten Ödnis kämpfen.

Prinzipiell kann man sagen, dass dieses Buch zwei Geschichten enthält, die Aaron Falk miteinander verbindet. Bei einer der Geschichten finde ich die Aufklärung absolut vorhersehbar, bei der anderen nicht. Da war ich dann wirklich mal überrascht und hätte im Leben nicht damit gerechnet. 

Ein kleiner Tretroller lag verlassen auf dem Plattenweg. Im Umkreis von einem Kilometer schlug nur ein einziges menschliches Herz.
Und daher reagierte niemand, als irgendwo tief im Innern des Hauses das Baby anfing zu schreien.
(Seite 8)

Ein guter Roman, der aber leider kein Thriller ist und auch durch seinen Titel irreführend sein kann. Man darf keine Hochspannung erwarten, die einen durch das Buch peitscht. Wer allerdings eine gut geschriebene Geschichte über Freundschaft und Loyalität lesen will, ist hier genau richtig.




Ich danke dem Rowohlt Verlag und  für dieses Rezensionsexemplar!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen