Montag, 13. Februar 2017

[REZENSION] "Wo immer du bist" von Cylin Busby





Verlag: Boje I Leseprobe
Seiten: 235
Jahr: 2014
Ausgabe: Hardcover
Preis: 12,99€
Meine Bewertung: 5/5
Kaufen?: Verlag I Thalia I Amazon


Ich spürte ihre Wärme, als ihre Finger meinen Arm hinaufwanderten und auf meiner Schulter liegen blieben. Sie lächelte, ihr Gesicht ganz nah an meinem. »Ich hab mir Sorgen gemacht, aber jetzt ist alles gut, oder? Ich bleibe bei dir.« 

West liegt nach einem Unfall im Krankenhaus. Er kann sich nicht bewegen, kann nicht sprechen – und doch trifft er genau hier das Mädchen seiner Träume. Olivia ist wunderschön und geheimnisvoll – und auch sie fühlt sich zu ihm hingezogen. Doch West spürt, dass sie etwas zu verbergen hat. Und ihm ist klar: Wenn er wieder gesund ist, muss er ihr Geheimnis unbedingt ergründen… (Boje)

Da weint jemand.

West liegt nach einem BMX-Unfall im Krankenhaus und kann sich nicht bewegen. Er scheint gelähmt zu sein. Auch sprechen kann er nicht, da er beatmet werden muss. Doch er kann mit den Augen blinzeln. Schnell freundet er sich mit einem Mädchen an, dass im Zimmer neben ihm liegt und regelmäßig heimlich zu ihm herüber schleicht. Olivia. Sie ist wunderschön und äußerst verletzlich.

Sie bringt West bei über seine Augen zu kommunizieren - einmal blinzeln für ja, zweimal für nein. Mit der Zeit und ihrer Hilfe schafft er es sogar einen Stift zu halten und auf eine kleine Tafel zu schreiben. Doch das bleibt ihr Geheimnis. Bei allen anderen blinzelt er nur.

Immer öfter wacht West auf und bemerkt wie ein Mann und ein kleines Mädchen sich zwischendurch in seinem Zimmer aufhalten. Oder träumt er das nur? Was wollen sie bei ihm? Warum hindert sie niemand daran? Und warum träumt er immer wieder von einem Mädchen, das von einem Mann überfallen wird?

Eingestellt hatte ich mich auf eine zuckersüß-rührende-Tennie-Liebesgschichte. Bekommen habe ich genau das - mit ein paar gewaltigen Extras.

Ich würde gerne so viel zu diesem Buch sagen, würde damit aber zu viel spoilern und die Leselust nehmen. Was ich allerdings sagen kann, ist: Es gibt eine Wendung, mit der niemand rechnen würde!

West und Olivia waren mir beide auf ihre Art und Weise sympathisch - er jedoch mehr als sie. Allerdings konnte ich Olivias Gedanken und Handlungen sehr gut verstehen, nachdem ich dieses Buch beendet hatte. Da löste sich alles auf und ergab plötzlich Sinn. Hielt ich sie vorher noch für ein bisschen wehleidig, eifersüchtig und viel zu egoistisch, hatte ich nach der Auflösung einfach nur Mitleid. Und ich gestehe, dass mir auch ein oder zwei Tränchen dabei gekullert sind.

Wests Freunde und Familie sind so ein Kapitel für sich. Seine Eltern waren mir prinzipiell egal, seine Ex-Freundin Allie mochte ich gar nicht und sein bester Freund Mike war halt einfach da. Also es hätte mir vermutlich nichts an der Geschichte gefehlt, wenn diese Personen einfach gar nicht aufgetaucht wären

Insgesamt hat mich das Buch aber wirklich berührt und zum Nachdenken gebracht. Die entscheidende Wendung entlockte mir ein "WAS??? Ist nicht wahr!" und der flüssige Schreibstil ermöglichte zu jeder Zeit ein rasches Vorankommen. Lediglich das Ende hätte ich mir etwas anders gewünscht, was aber nicht heißen soll, dass es nicht zu der Geschichte passt.

"Und was wird aus mir? Ich bleibe hier, und jemand Neues zieht in dein Zimmer ein, wieder einer, der einen Unfall hatte und einen Freund braucht. Und dann habe ich nichts mehr zu geben, weil du mir das Herz gebrochen hast."
(Seite 127)

Ein schönes kleines Buch über Leben und Tod, Liebe und Eifersucht, Freundschaft und Einsamkeit.
Es handelt sich dabei nicht um einen Tatsachenbericht, sondern um eine fiktive Geschichte, in der kurzzeitig ein (möglicherweise) kleiner Fantasyanteil mitschwingt.

Spannung und Tiefe darf nicht so sehr erwartet werden. Es ist eine sehr ruhige Geschichte über zwei junge Menschen, die sich ohne ein Unglück nie begegnet wären.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen