Montag, 5. Juni 2017

[REZENSION] "Hexenherz" von Monika Loerchner





Verlag: acabus I Leseprobe
Seiten: 431
Jahr 2016
Ausgabe: Softcover
Preis: 15,00€
Meine Bewertung: 5/5
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Europa, 1466: Als die Hexenverfolgung immer weiter um sich greift, schreitet die bisher geheime Elite der Hexen ein und offenbart: Jede Frau ist der Magie fähig! 

550 Jahre später wächst die junge Hexe und staatstreue Gardistin Helena in einer Gesellschaft heran, in der die Vorherrschaft der Frauen unumstößlich scheint. Sie träumt davon, weiter im Dienst der höchsten Hexe, der Goldenen Frau, aufzusteigen. Doch als sie Opfer einer Intrige wird und fliehen muss, gerät sie in die Fänge von Rebellen. Denn auch das stärkste Regime hat seine Fehler – und seine Feinde … (acabus)

"Mist."
Und dann noch ein paar Mal: "Mist, Mist, Mist."
Das waren die Worte, mit denen mich meine Mutter begrüßte, kaum dass ich geboren worden war.

Wer hatte nicht auch schon mal den Gedanken im Kopf, dass die Welt so viel besser und friedlicher wäre, wenn sie von Frauen regiert werden würde. Würden alle wichtigen Positionen von Frauen besetzt, würde man mehr reden und weniger kämpfen. Oder?

Ein Trugschluss, wenn man dem Fantasyroman von Monika Loerchner vertraut. Denn dort sind die Frauen am Zug und herrschen so, wie vor vielen Jahrzenten und Jahrhunderten gelebt wurde und es in manchen Teilen der Erde heute noch zugeht. Nur, dass die Frauen den Spieß umgedreht haben. Denn sie sind es, die die Männer unterdrücken und ebenso gewaltvoll und brutal wie schonungslos regieren. Denn die Frauen haben etwas, was den Männern aus anatomischen Gründen nicht möglich ist. Einen weiblichen Zyklus und damit verbunden die Chance auf Magie. Doch es gibt eine Gruppe Rebellen, Männer wie Frauen, die dieses System stürzen wollen. Und es gibt noch Matthias Schulte. Den Großmüttermacher. Er entführt junge Mädchen und entfernt ihnen die Gebärmutter. Denn wer keinen Zyklus mehr hat, ist auch nicht fähig Magie zu wirken...

Dreh- und Angelpunkt dieser Geschichte ist Helena. Lernt der Leser sie in jungen Jahren kennen, so ist sie ab Kapitel 3 um zwölf Jahre gealtert und auch irgendwie recht unsympathisch geworden. Sie glaubt so sehr an das System und die Damen, die die Welt regieren, kennt nur schwarz oder weiß und will auch für nichts von ihrem Standpunkt abrücken. Sie macht es einem nicht gerade leicht sie zu mögen. Allerdings macht genau das diesen Charakter so realistisch. Niemand, der sein Leben lang an ein Staatssystem geglaubt und für dieses gearbeitet hat, ändert seine Meinung und Überzeugungen von jetzt auf gleich. Dafür wird viel Zeit und gute Argumente benötigt.

Was mir an Helena allerdings gefallen hat, ist ihre Loyalität und ihre Liebe - letztere ist allerdings sehr tief in ihr vergraben Als sie etwas über ihren Bruder erfährt, was sie nie hätte wissen wollen, wäre es ein Leichtes gewesen den eigenen Kopf zu retten und seinen zu präsentieren. Doch das tut sie nicht. Sie ist ihm gegenüber absolut loyal. Und auch als es rauskommt und sie selbst fliehen muss, bleibt sie dem System gegenüber als solches (erstmal) ebenfalls loyal. Sie hängt ihr Fähnchen nicht in den Wind. Das bewundere ich wirklich an ihr.

Die Geschichte spielt in unserer heutigen Welt, allerdings im Mittelalter. Es ist am Anfang etwas verwirrend sich im 21. Jahrhundert zu befinden, aber eben doch im Mittelalter zu sein. Macht man sich allerdings frei von irgendwelchen Zahlen, ist das alles kein Problem mehr.
Zwischen den Kapiteln befinden sich Auszüge aus den "Annalen des Goldenen Reiches" und erzählen sowohl geschichtliche Hintergründe, als auch Regeln und Gesetze.

Der Schreibstil ist ganz wunderbar! Die Autorin schreibt und umschreibt so herrlich, dass es keine Längen gibt, dafür aber eine wahre Bilderflut vor dem geistigen Auge stattfindet. Super! 

Dass die Stadt Marburg für das Stadtbild Pate gestanden hat und sich das Marburger Schloss auf dem Cover befindet, freut mich als Gießener Mädchen natürlich sehr

Ein tolles und sehr fantasievolles Buch über Hexen und die Frage danach, wie die Welt wohl wäre, wenn sie von Frauen beherrscht werden würde.

Wer Kitsch und eine Hollywood-Liebe sucht ist hier falsch.
Wer allerdings Realismus und Brutalität nicht scheut und keine Angst vor einer starken Protagonistin hat, der ist hier genau richtig!


Ich danke Monika Loerchner und dem acabus Verlag für dieses Rezensionsexemplar!


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