Sonntag, 8. Oktober 2017

[Rezension] "Der Kuss des Dichters" von Tharah Meester





Verlag: Selfpublisher I Leseprobe
Seiten: 45
Ausgabe: eBook
Preis: 0,99€
Meine Bewertung: 5/5
Kaufen?: Thalia I Amazon


Der junge Lord Edgar Keaten ist unsterblich in die schöne Cecilia de Grant verliebt. Als ihr Vater diese dazu drängt, sich einen Ehemann zu suchen, befürchtet Edgar, nicht in Frage zu kommen, da er als unveröffentlichter Dichter wohl kaum einen geeigneten Heiratskandidaten abgibt. Die Angst davor wird nebensächlich, als Cecilia ankündigt, auf einer bevorstehenden Feier seinen Bruder Garrick küssen zu wollen... Nun muss er alles daran setzen, dies zu verhindern und ihr diesen Kuss selbst zu stehlen. Doch kann er ihr Herz gewinnen, ehe die Sonne aufgeht und das Verwirrspiel endet? (Amazon)

Anfang

Sein kleines Büchlein mit dem dunkelbraunen Ledereinband lag aufgeschlagen vor ihm. Die Feder kratzte leise auf dem cremefarbenen Papier, die Worte in dunkler Tinte erschienen beinahe wie von selbst.

Meine Meinung

Tharah Meester kam eines Tages per Email auf mich zu und bat mich, zwei ihrer Bücher zu lesen und zu rezensieren. Nachdem ich ungefähr zehn Minuten in eines hineingelesen hatte war mir klar, dass ich mehr will. Ihre Art zu erzählen, ihr Humor und die Wortwahl haben mich binnen weniger Minuten schon zum Fan gemacht. Ich wollte also was "Kleines" für zwischendurch und habe ihre Liste bei Amazon durchgesucht. Dabei bin ich auf dieses hier gestoßen. Ein kurzes eBook unter 50 Seiten für weniger als einen Euro. Zwar ist dieses Buch tatsächlich eins der wenigen, in dem es nicht um zwei verliebte Männer geht - also ineinander verliebte Männer   - aber genau deswegen wollte ich es lesen. Kann sie nur gay oder auch hetero? Ich verrate es euch: Tharah Meester kann einfach alles!

Da es sich hierbei wirklich um eine kleine Geschichte handelt, will ich eigentlich nichts von der Story verraten. Es bleibt nicht viel Spielraum zwischen 'Ich sage gar nichts' und 'Ich spoiler euch dicht'...deswegen lasse ich es lieber.

Die Autorin hat ein Talent dafür Charaktere ganz wunderbar zu gestalten. Diesen ruhigen, zurückhaltenden Edgar, der so schüchtern und introvertiert ist, dass man ihn am liebsten durchschütteln würde, nimmt man jede seiner Handlungen absolut ab. Man versteht, warum er ist wie er ist und hegt ab Beginn sofort eine Sympathie für ihn. Er wirkt absolut liebenswert und hat in mir schon fast einen mütterlichen Beschützerinstinkt ausgelöst  

Edgar ist es auch, mit dem der Leser die Geschichte durchschreitet. Dadurch erhält man einen sehr guten Einblick in seine Gefühle und Gedanken - was man auch zwingend braucht um zu verstehen, warum er so und so verfährt.

Ein weiterer Punkt, der mich bei allen Meester-Geschichten begeistert (und sicher immer begeistern wird...da ja noch so einige Geschichten folgen werden ^^) ist die Sprache. Es gibt Bücher und Geschichten, die im Hier und Jetzt spielen und deswegen eine eher geläufige Umgangssprache brauchen. Dann gibt es historische Romane, die so gestelzt geschrieben sind, dass es schon fast körperlich schmerzt...und dann gibt es Tharah, die sich einer Sprache bedient, die stellenweise altertümlich anmuten könnte, aber tatsächlich einfach nur schön und unglaublich passend ist. Ich mag es sehr gerne, wenn auch Worte oder ganze Sätze  genutzt werden, die aus dem alltäglichen Sprachgebrauch fast gänzlich gestrichen wurden. Das macht einen Dialog oder eine Beschreibung manchmal so besonders, dass ich ein leichtes Lächeln auf den Lippen trug, was in dem Moment mit dem Inhalt an sich eigentlich gar nichts zu tun hatte.

Textstelle

"Ja, deine Hühnerbrust wird sonst kalt, Ed", warf sein stattlicher Bruder belustigt ein, was Edgar mit einem missmutigen Schnauben beantwortete. Da es kein Hühnchen gab, war ihm sehr wohl bewusst, dass diese Aussage eine Anspielung auf seine schmächtige Gestalt war.
(Position 29-31)

Fazit

Eine zuckersüße Liebesgeschichte mit Irrungen, Wirrungen und Wendungen, bei der man sich sofort auf die Seite des Protagonisten schlägt und mit ihm hofft und bangt.

Es hat nur ein paar Minuten gedauert und ich wurde zum Fan. Ich kann die Bücher und Geschichten der Autorin jedem ans Herz legen, der historische Romane mag und nicht vergessen hat, dass die deutsche Sprache mehr zu bieten hat, als das, was man im Fernsehen und auf der Straße zu hören bekommt.

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